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Zwöflter Band.
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Die bildenden Künste.

das Ausdrucksvolle in seiner Behandlung; aber diese kalt berechneten Formen wehenuns fremd an, wie wir auch in der berühmten Schlacht von Austerlih, in Hein-rich's IV. Einzug in Paris die Kraft des unmittelbaren Lebens vermissen und voll-,ends von der nüchternen Auffassung des antiken Geistes (Amor und Psyche) unsabgestoßen fühlen. Daß wir Proudhon's Ansprüche auf den Namen des französi-schen Correggio belächeln oder in Girodet's Werken nur einen trüben Widerscheinplastischer Anschauung gewahren, wird man heutzutage schwerlich als eine über-triebene Strenge auslegen. Auch die Schlachtenbilder von Gros verdanken ihrePopularität mehr dem Großartigen der Epoche, welche sie verherrlichen, als ihrer for-mellen Vollendung. Wir bewundern die Kühnheit dieser Männer, mit der sie ausge-dehnte Flächen mit Gestalten und Farben füllten; wir wünschen, diese Kühnheit hattesich bis zu einem gewissen Grade auf unsere deutschen Künstler vererbt — den franzö-sischen fehlt sie selten — und auch das Geschick in der Compostkion, die Gewandtheitin der Auffindung packender Effecte, die kecke Sicherheit in der Formengebung gewinntunsere volle Anerkennung. Es ist aber nicht unsere Welt mehr, zu welcher jeneKünstler gehören. Zn anspruchvoller Größe schauen ihre Werke von den Wändenim Louvre herab und sodern unsern Beifall heraus; wir gehen aber kalt und gleich-gültig an ihnen vorüber und eilen hastigen Schrittes zu den alten Meistern, die. uns zwar der Zeit nach ferner stehen, aber unsere Sprache reden, die Sprachenämlich, die ewig verstanden werden wird, weil sie unmittelbar, wahr und innig ist.Der Rückschlag auf die einseitige classische Richtung, welche unter David's Nach-betern unduldsam herrschte, konnte nicht ausbleiben. Die innern Widersprüche der-selben mußten ihren Sturz heraufbeschwören. Sie fühlte sich durch die Schulregelnheimlich beengt, sie begnügte sich nicht mit dem Reize, welchen die einfache Linien-schönheit, die wahre Formenreinhcit ausüben; die Gedanken, die sie verkörperte, dieCharaktere, der Ausdruck, Alles ging über das Maß des Plastischen hinaus. Unddoch gelangte sie nicht zu einer scharfen Jndividualisirung, noch weniger konnte diekalte Gypssarbe, das giftige schmuzige Grün im Colorit ihrer Hauptvertreter darauf' rechnen, eine malerische Wirkung zu erzielen. Als sich Delacroix' ausschweifendeManier, die aber ganz gesunde Wurzeln hat und..den schroffsten Gegensatz zu denClassikern bildet, zum ersten mal (1822) in die Öffentlichkeit wagte, da traf siezwar das Verdammungsurtheil der Schule, aber sie fand Tröstung in den, unge-theilten Beifall des Publicums und kräftige Unterstützung bei den gleichzeitig auf-tretenden Romantikern in der Poesie. Wir wiesen oben darauf hin, daß David'sReformen die althergebrachte französische Auffassung des Idealismus, das rheto-rische Pathos und den Prunk mit konventionellen plastisch gemeinten Formen nichtgänzlich beseitigten. Dieses Festhalten am nationalen Geschmack wurde auch dieUrsache, daß die classische Richtung, trotz der zahlreichen Sünden der Anhänger Da-vid's, nicht völlig verdrängt wurde, umsomehr, als der leidenschaftlich sich überstür-zende Eifer der Romantiker, die gewonnene Bedeutung zu mehren, nach einem Ge-gengewichte dringend rief. In I. A. Ingres fand dieses Gegengewicht in unsernTagen seinen berühmtesten -Vertreter..

Vor 25 Jahren wurde Ingres' Name zum ersten male ruhmvoll erwähnt.Er hatte damals den großen Preis erobert, was bekanntlich im Lande, der Preiseund Concurrenzen und Laureaten mehr sagen will als bei uns, und nach dem Ge-lobten Lande des Idealismus, nach Rom sich begeben. Solange seine Mitschülerund Geistesverwandten in Frankreich herrschten, trat Ingres, langsam schaffend undoft erst nach langen Zwischenra'umen im Stande, das Begonnene zu vollenden, nichtin den Vordergrund. Erst als die Gegner des classischen Stils auf dem Kampf-plätze erschienen, und eine weitgehende Opposition gegen Alles, was an Stil, an denIdealismus, au die sormenreine Plastik erinnerte, auftauchte, gewann auch Ingres'Richtung eine größere Bedeutung. Freilich in Laienkreisen wußte man nicht vielvon ihm zu erzählen. Desto lauter erklang sein Ruhm in der eingeweihten Künstler-welt: ihm konnte, wenn diese dithyrambischen Lobeserhebungen die Wahrheit ent-