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Die orientalische Frage.
diesem Vorwarf zu begegnen, indem er die Garantie nur zugesagt, sofern die Pforteselber die Krim wieder würde zurückerobert haben. Herzberg thut sich etwas daraufzugute, daß bei der Ratifikation (durch eine Procedur, die eine abendländische Machtschwerlich sich hätte gefallen lassen) dem Vertrage Hörner und Zähne ausgebrochenworden. In der Ratifikation nämlich fand sich nicht allein das Versprechen Preußensdurch die bedenkliche (übrigens selbstverständliche) Clausel: „soweit die Umstände esverstatten werden", beschränkt, sondern der Zweck der preußischen Bemühungen wirdwesentlich verändert, indem sie nur auf die Herstellung der im gegenwärtigen Kriegeverlorenen Provinzen gerichtet sein sollen, wodurch, wie Herzberg bemerkt, die Krim,die früher schon eingebüßt worden, ausgeschlossen wird.
England und Preußen; ihr Interesse für die Pforte.
Herzberg behauptete, wenige Jahre nach dem Frieden von Zassy: „Ohne desKönigs von Preußen energische Dazwischenkunft, ohne das Einrücken seines Heeresin Schlesien, ohne die kraftvollen Unterhandlungen und den'Vertrag von Reichenbach,würde vielleicht das osmanische Reich nicht mehr in Europa vorhanden sein." Legenwir an diese hochtönenden Worte den Maßstab der von Herzberg selber ausgespro-chenen Ansichten in Bezug auf die Erhaltung des osmanischen Reichs.
„Glauben Sie", schrieb Herzberg an Dieß am 24. Nov. 1787, „man könntedie Pforte dazu bewegen, dem Kaiser die Moldau und Walachei und den Russendie Krim, Oczakow und Bessarabien abzutreten? Jedoch unter der Bedingung, daßPreußen, Frankreich und andere Mächte dem osmanischen Reiche seine dauerndeExistenz jenseit der Donau in der Weise garantirten, daß die Donau und die Unna direwige Grenze zwischen dem osmanischen Reich und der Christenheit bilden würden?"
Man sieht, die Phrase von der Erhaltung des osmanischen Reichs hat auchschon vor diesen letzten Tagen sehr elastische Deutungen erfahren. Herzberg fügtaber ernstlich hinzu, um diesen Preis würde wol Rußland auf Georgien und allesLand jenseit des Kuban verzichten, sich nicht mehr in die innern Verhältnisse derTürkei einmischen u. s. w. Am meisten verwundert „man sich wol über die Freige-bigkeit, mit welcher der preußische Staatsmann den Östreichern ein Geschenk machenwill mit den Donaufürstenthümern, die sie gar nicht innehatten.,, Der Beweggrundliegt im Folgenden: „Zugleich habe ich die Idee eines guten Äquivalents, welchesvon Seiten der beiden kaiserlichen Höfe Preußen erhalten würde; die Türkei würdedabei kein Opfer bringen." Herzberg verlangte nämlich, Östreich sollte Galizien anPolen zurückgeben und dafür „sollte Polen Danzig, Thorn, Posen und Kalisch anPreußen abtreten. Um aber Östreich zur Rückgabe Galiziens zu bewegen (die ein-zige Bedingung , unter welcher etwa den,, Polen ein Opfer zu Gunsten Preußensanzusinnen war), dazu bedurfte es eines Äquivalents für Östreich, und das mußtendie Türken hergeben. Das nannte man Erhaltung des osmanischen Reichs!
Bei Herzberg herrschte dieser Gedanke dermaßen vor, daß er sich ordentlichüber die Ostreicher ärgert (30. Aug. 1788), daß sie es so ungeschickt angegriffenund die Donaufürstenthümer nicht erobert haben. Denn wenn sie die Moldau undWalachei nicht bekommen, so geben sie nimmermehr Galizien heraus, so bekommtPreußen nimmermehr Danzig und Thorn! Vor solchen Freunden möge der Himmeleinen Jeden in Gnaden behüten.
Es wird nun die Art und der Umfang und Ernst der englischen Theilnahmefür die Pforte zu beleuchten sein.
Der erste Ansang einer veränderten Politik hängt zusammen mit der allmäli-gen Annäherung Preußens an England nach dem Tode Friedrich's des Großen.Indessen läßt sich nachweisen, wie wenig diese Annäherung, die in den holländischenHändeln und dem Interesse für das beiden Königshöfen verwandte oranische Hausihre erste Nahrung fand, eine Demonstration gegen Rußland sein sollte oder konnte.Der auswärtige Staatssecretär Lord Carmarthen (der spätere Herzog von Lecds.)sprach am 24. Juli 1786 aus, er wünsche keine Verbindung mit Preußen, die