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Zwöflter Band.
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Die orientalische Frage. 829

und soldatischer Subordination, wiederum herzustellen, so wird man sich nicht ver-wundern, wenn diese Ansicht endlich auch in Berlin Eingang fand.

Preußen war in der That, indem es seinem Vortheile und den Traditionen desGegenstrebens gegen das Haus Habsburg nachging, auf eine abschüssige Bahn ge-rathen. Jedermann weiß, daß in Cherson, bei der Zusammenkunft mit der Kaise-rin Katharina, dem Kaiser Joseph die Kunde vom belgischen Aufstande zukam, unddaß diese Ereignisse ihm das Herz gebrochen haben. Ungarische Unruhen kamenhinzu. Die preußische Politik feierte nicht. Zn Berlin fanden Abgeordnete derbelgischen wie der ungarischen Rebellen freundliche Aufnahme. Preußen nahm dieLütticher in ihrem Streit mit dem Fürstbischof unter seine Fittige. Wie es zu dem! Aufschwünge in Polen sich stellte, werden wir unten sehen.

^ Noch am 19. März 1790 war Lord Auckland der Meinung, nichts als un-

- ausweichbare Nothwendigkeit würde jemals den König von Preußen bewegen kön-nen, durch Wort und That dazu beizutragen, daß die Niederlande wieder unter ihrealte Regierung gebracht würden. In Wien aber fand man den Talisman, das zubewirken. Wenige Wochen nach Zoseph's Tode eröffnete Leopold einen persönlichenBriefwechsel mit Friedrich Wilhelm II., der in Schlesien im Lager sich befand. Man, erinnert sich, daß Friedrich, wenngleich den Anschauungen des konstitutionellen Sy-stems so fremd als möglich und jederzeit bereit, wie die Türken es nennen, sein„eigener Vezier" zu sein, in ähnlichem Fall dem Kaiser Joseph empfahl, das Ferneredurch die Minister zu verhandeln. Aber Leopold war Florentiner genug, um seineMittheilungen der Persönlichkeit, mit der er zu thun hatte, anzupassen. Im Laufedieses Briefwechsels ließ Leopold die Bemerkung fallen: das Recht Östreichs in Bel-gien sei unzweifelhaft, und man kenne unter den europäischen Herrschern keinen,der gegen Östreich so maßlosen Haß empfinde, um darüber alle die Betrachtungenf vergessen zu können, welche einen Herrscher abzuhalten vermöchten, die empörtenUnterthanen eines andern zu unterstützen.

Zugleich ward Herzberg dem Könige als ein Mann geschildert, dessen Ansichtenin bedenklicher Weise neufranzösischen' Umwälzungsideen sich zuneigten. Schon imJuni 1787 hatte der englische Gesandte in Berlin Herrn von Bischofswerder als denEinzigen bezeichnet, der das volle Vertrauen des Königs in Bezug auf auswärtige. Angelegenheiten besitze. Herzberg's Stellung war untergraben; bald sollte er inne-^ werden, daß sie unhaltbar geworden.

s Der König befahl ihm, und zwar in zurechtweisendem Tone (14. Juli 1790),

seine bisherigen Bestrebungen fallen zu lassen, Danzig und Thor» also nicht länger, zu begehren, vielmehr, was „dann keine Schwierigkeit mehr hatte, den Statusquoals Grundlage des Friedens Östreichs mit der Pforte als eine Art von UltimatumPreußens vorzuschlagen. Das war, was die Seemächte, jeder neuen Verwickelung,jeder Vergrößerung Preußens abhold, in Anregung gebracht; es war im Grunde,was Östreich selbst, des Türkenkriegs müde, zu wünschen alle Ursache hatte.Östreich gab sich den Anschein, als mache es dem König von Preußen eine großeConcession, während es seines Herzens Wunsch erreichte und den König dahinbrachte, auf seines Herzens Wunsch zu verzichten. Wofür denn hatte Preußen be-waffnet? Was war aus Herzberg's preußischen Interessen geworden? Herzberg wargeopfert, der König unterlag einer kläglichen Mystifikation, das Geld für die Nü-' strmgen war nutzlos weggeworfen.

Der Congreß zu Sistowo in der Bulgarei, her unter englischer, holländischerund preußischer Vermittelung den Frieden zwischen Östreich und der Pforte herstellensollte, mußte dem östreichischen Cabinet dazu dienen, den Rest jedes selbständigenpreußischen Gedankens zu erködten. Was Östreich wollte, zeigte sich sobald es sichweigerte und beharrlich sich zu weigern fortfuhr, das Abkommen von Reichenbach alsmaßgebend erwähnen zu lassen. In der That war Östreich weit entfernt, mit dem( damals Zugesagten sich begnügen zu wollen. Die Haltungslosigkeit Preußens (manlernt sie recht kennen aus Keith's Berichten, der z. B. im Februar 1791 erzählt,