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Zwöflter Band.
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Die orientalische Frage. 837

herbeiführe. Der große Albuquerque dagegen sah Portugals Herrschaft nur alsbefestigt in Ostindien an, wenn es gelang den Landweg zu beherrschen und ihn allerWelt zu verwehren oder unmöglich zu machen. Darum nahm er Aden an derPforte des Rothen Meeres, und besetzte Ormuz im Persischen Meerbusen; darumwollte er den Nil ins Rothe Meer ableiten (seine Söhne bezeugen und rühmen denPlan), um Ägypten zu einem unbewohnbaren, unwegbaren Sumpf zu machen. So-liman „der Mächtige, der Prächtige", der inzwischen Herr Ägyptens geworden, rü-stete in Suez eine Flotte aus, um den letzten Versuch zu machen, Aden den Portu-giesen zu entreißen und den indischen Handel zurückzufedern. Hier hat man den Maß-stab für die Interessen, die beim Landweg und beim Seeweg auf dem Spiele stehen.

Allerdings war lange Zeit hindurch Ägyptens Bedeutung der praktischen Po-litik aus der Kunde gekommen. Die ersten Zeichen des wieder erwachenden Interessesind unscheinbar. In den siebziger Zähren des vorigen Jahrhunderts gingen englischeHandelsschiffe, später auch wol Kriegsschiffe, von Bombay nach Suez, durch welcheDepeschen von London nach Bombay in 80 — 90, einmal in 63 Tagen befördertwurden. Ein Ferman der Pforte (1774) untersagte diese Schiffahrt des RothenMeeres der „schurkischen Sekte der Christen", unter welchen die Engländer nament-lich die Jndier zu Knechten gemacht.

Dagegen hatte Leibniz sich, wenngleich vergebens, bemüht, Ägyptens Bedeu-tung den Franzosen anschaulich zu machen. Bei ihm war dies Sache des deutschenPatriotismus. Er sah durch Ludwig XIV. das Deutsche Reich bedroht. Alle Ver-suche, die Deutschen zum Widerstand zu vereinigen, blieben fruchtlos. Angesichtsdieser kläglichen Zerrissenheit und Auflösung schien kein Mittel der Rettung übrig,als wenn man jenem großen Ehrgeiz ein anderes nicht minder anlockendes Ziel vorAugen hielt. Indem der große deutsche Denker, dem zugleich die reichste Fülle po-sitiven Wissens zugebote stand, nach solchem Ziele suchte, stieg ihm das BildÄgyptens herauf, was es einst gewesen, was es werden könne. Die früheste An-deutung findet sich in einem rasch entworfenen Bedenken vom Jahre 1ß70 über dieSicherstellung des Deutschen Reichs. „Frankreich ist fatal und von der VorsehungGottes vorbehalten, ein Führer der christlichen Waffen in der Levante zu sein undGodofredos, Balduinos, vor allen Dingen aber Lodovicos Sanctos der Christenheitzu geben, das ihm gegenüberliegende Asricam anzugreifen, die Raubnester zu zer-stören, Ägypten selbst, so eins der bestgelegensten Länder in der Welt, anzugreifenund selbige Länder zu übermeistern." Diese Worte sind von Guhrauer aus derHandschrift ans Licht gebracht, acht Jahre nach dem algerischen Zuge, vierzig Jahrenach dem ägyptischen. Leibniz suchte und fand die Gelegenheit, eine in meisterhaf-ter Bündigkeit gehaltene Denkschrift, die in Ägypten.den Schlüssel zum ostindischenHandel, den gebietenden Sitz der Meeresherrschaft nachweist, in Colbert's Händezu bringen. Es galt, die französischen Waffen bom Niederrhein nach dem Nil,nach dem „Holland der Levante" zu ziehen. Colbert nahm von dem durch denKurfürsten von Mainz übermittelten Plan keine weitere Notiz, als daß er überdas „Project eines heiligen Kriegs" äußerte, seit dem heiligen Ludwig habe Derglei-chen aufgehört, an der Mode zu sein.

Gleichzeitig agitirten zwei andere Deutsche aus seinem Kreise, Conring undHiob Ludolf, in derselben Richtung, wenn auch nicht von seinem politischen Gesichts-punkt aus,. Conring, der Vielgewandte, federte gleichfalls Colbert auf, durch Er-oberung Ägyptens die Herrschaft des Mittelmeers und des Welthandels für denallerchristlichsten König zu erwerben. Der treffliche Hiob Ludolf- war erfüllt vonder Idee, man müsse den christlichen Abyssiniern helfen, die Türken aus Ägyptenzu jagen und den alten indischen Handelsweg herzustellen.

Hat nun Bonaparte die Ideen von Leibniz gekannt? Setzt man die Engländeran die Stelle der Holländer, so wird im Wesentlichen der Plan Bonaparte's ausdasselbe Ziel hinauslaufen. Aus Italien schon schrieb er (13. Sept. 1797) ansDirektorium: „Warum nehmen wir nicht Malta? Mit Malta und Korfu würden