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Zwöflter Band.
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Die orientalische Frage. 855

werden jedoch von keiner der beiden Mächte beherrscht, auch darf auf denselben vonnun an keine Befestigung oder sonstiges festes Bollwerk aufgeführt werden, sondernsollen dieselben öde bleiben. Die ganz großen, Ismail und Kilia gegenüberliegendenInseln bleiben ebenfalls eine Stunde Wegs vorn nächsten linken Dvnauufer an ge-rechnet öde, welches jedoch erst bezeichnet werden wird. Die Etablissements, die vordem Ausbruch des Kriegs bestanden, sowie Alt-Kilia, sind in dieser Grenzlinie nichteingeschlossen. Wir hoffen, der Leser wird eine Erklärung des Unterschiedes zwischenunter russische Botmäßigkeit kommen und von Rußland beherrscht werden, nicht vonuns verlangen. Daß aber den Türken jegliche Festsetzung untersagt wird, währenddie Russen, wo sie einmal sind, sitzen bleiben, wird ihm nicht entgangen sein.

Rußlands Verdienste um die freie Donauschiffahrt sind bekannt. Sie nehmenhier ihren Ansang. „Die Handelsschiffe beider Theile können auf dem Arm bei Ki-lia ein- und auslaufen und den ganzen Donaustrom befahren. Was aber die rus-sischen Kriegsschiffe betrifft, so können selbige nur bis zur Einmündung des Pruthauf der Donau hinausfahren."

Bei Gelegenheit dieses Friedensschlusses bieten sich ungesucht einige Betrach-tungen dar.

Rußland pflegt, wenn es bedrängt ist oder mit Waffen für den Augenblicknichts auszurichten weiß, einen unter den Umständen überraschend Vortheilhaften Frie-den zu schließen. So war es in Kutschuk-Kainardschi, so ist's hier in Bukarest,so wird es in Adrianopel sein. Alexander schreibt selbst an Tschikschagow am 23. Mai1812: „Ist der Friede bereits unterzeichnet, so erwerben wir ohne Widerspruch (ssnsoontrsilit) große Vortheile beim gegenwärtigen Stand der Dinge."

Rußland schließt aber, solange es sein Hauptziel nicht erreicht hat, keinen Frie-den, sondern nur einen Waffenstillstand. Tschitschagow schrieb dem Kaiser: „DieserFriede darf nur als eine vorübergehende Verhandlung (uns trsnsaotion spbsmsrs)betrachtet werden, die ihre Wirkung auf die Vorstellung des Feindes hervorgebrachthat; er kann uns ferner nur nützlich werden, indem er einen neuen Bruch herbei-führt." Der Admiral, wir haben es oben gezeigt, wollte direct auf Konstantinopelmarschiren. Der Kaiser findet das in jenem Augenblick zu gewagt; doch schreibt eram 18. Juli 1812: „Die Geschichte mit Konstantinopel kann später wieder auf dieBahn gebracht werden (I'lnsloirs 6s Lonstantiuopls psut ötrs repro6uits plustarä); gehen unsere Sachen gut gegen Napoleon, so können wir Ihre Plane gegendie Türken sofort (tont 6s suits) wiederaufnehmen."

Rußland tritt nicht unvermittelt mit Maßregeln auf, welche ein gar zu großesAufsehen erregen könnten. Der Einverleibung der Krim präludirt es mit deren Un-abhängigkeit; der Errichtung von Anstalten zur Tribulirung der Donauschiffahrt prä-ludirt es mit dem Ödeliegen der Donauinseln.

Rußland versteht es überhaupt, die Dinge vorzubereiten. Indem Tschitschagowden Bukarester Frieden noch immerhin als fortbestehend betrachten muß, sendet erdem Kaiser einen von diesem sofort gutgeheißenen Plan. zur Organisation des russi-schen Consularwesens in der Levante, mit der Bemerkung: „Auf lange Zeit hin wer-den die Handelsinteressen nicht das Hauptaugenmerk dieser Agenten ausmachen."An Stourdza, dem die Verwaltung Bessarabiens übertragen wird, richtet er dieseWeisung: „Der letzte Krieg hatte den christlichen Bevölkerungen große Hoffnungengegeben; jetzt, da unser Heer auf einen andern Schauplatz berufen wird, muß mandaran denken, ihre Anhänglichkeit uns zu bewahren und sie vor dem Einfluß unsererFeinde zu behüten. Die Bulgaren, die Moldauer, die Walachen, die Serbier suchenein Vaterland: Sie können dieselben ein solches finden lassen." Rußland ist be-kanntlich so stark darin wie England, mit nationalen Regungen unter der Hand zuspielen, dann sie aufzuopfern. „Die Serbier", sagt Tschitschagow selbst, „waren die er-sten Opfer des Bukarester Friedens." Er schildert ihre Entrüstung, ihre Bestürzung.Zum Trost bietet er ihnen (nach dem Frieden) Pulver und Waffen. Man sieht, erzählt darauf: