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Zwöflter Band.
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Die orientalische Frage.

sten Dolmetscher der Gesandtschaft ins Gesicht, der Sultan betrachte den KaiserAlexander als den geheimen Hebel des Griechenaufstandes. Rußland verlangte trac-tatenmäßig die Räumung der Moldau und Walachei; die Pforte setzte diesem ,Be-gehren tractatcnmäßig das andere entgegen, es solle die in Bukarest zugesagte Über-gabe der asiatischen Festungen endlich vollzogen werden. Der russische GesandteStrogonow reichte am 18. Juli 1821 ein drohendes Ultimatum ein, begehrte am2ü. seine Pässe und verließ Konstantinopel am 31. Juli.

Die fernern Verhandlungen gingen durch den englischen Gesandten, Lord Strang-ford. Östreich, später auch Frankreich, that das Seinige, um der Türkei ihre Ver-blendung und die unausbleibliche Gefahr vorzuhalten, in welche sie durch längernWiderstand gegen Rußlands Wünsche sich stürze. Theilweise Nachgiebigkeit wechseltemit starrem Eigensinn. Die Diplomatie sah ihre Aufgabe einzig nur darin, Ruß-lands Schwert in der Scheide zu halten. Dazu gab es nur Einen Weg: manmußte die Pforte zur Nachgiebigkeit bewegen. Das. war doppelt schwer, da dieTürken überall Sympathien für die Griechen argwöhnten, auch bei den -in dieserBeziehung schuldlosesten Cabineten, deren Sprache sich höchstens bis zur Erinnerungan die mit den Griechen gemeinsame Religion erhob. Daß dies von Ostreich-galt,braucht nicht gesagt zu werden. Das englische Cabinet aber zeigte ganz unverkenn-bar, daß es nur den Gedanken einer Vermittelung zwischen Russen und Türkenhabe und nicht den einer Intervention zwischen Türken und Griechen. Daher jenesorgsamen und der öffentlichen Meinung besonders gehässigen Bestrebungen, imÄußern die Neutralität zwischen den beiden Parteien zu behaupten, z. B. die Zurück-rufung englischer Offiziere, die in den hellenischen Reihen kämpften. Der Gedankeder Intervention ist vom russischen Cabinet ausgegangen, und zwar zu einer Zeit,als die Lage der europäischen Mächte untereinander wesentlich verändert war undEngland sich isolirt fand.

Frankreich und Rußland.

Selbst Lord Castlereagh hatte sich schon gemüßigt gesehen, seiner, vom Königübrigens getheilten Privatliebhaberei für die Heilige Allianz soweit Schranken zusetzen, daß er in dem Rundschreiben vom 19. Jan. 1821 gegen die grundsätzlich un-unterbrochene Einmischung in die innern Verhältnisse fremder Staaten, also gegendir Verkehrung einer Maßregel, die nur als Ausnahme berechtigt sein kann, zurRegel sich erklärte. In demselben Sinn waren vollends Canning's Weisungen an denHerzog von Wellington gefaßt, als dieser nach Verona abging. Chateaubriand da-gegen betrieb eifrig die bewaffnete Dazwischenkunft- Frankreichs zu Gunsten des spa-nischen Ferdinand.

Man hat sich oftmals darin gefallen, den politischen Gegensatz zwischen Can-ning und Chateaubriand, die Beide von Haus aus zu edeln Empfindungen sich neig-ten und der Phantasie großen Spielraum gestatteten, als einen principiellen und des-halb unlösbaren, ja als eine Art von tragischem' Moment in der Geschichte derneuern Diplomatie darzustellen. Der Schriftwechsel der beiden Männer liegt vor;über viele vertraute Unterredungen mit Canning hat Marcellus berichtet. Der Ein-druck bleibt dem aufmerksamen Leser, daß es mit nichte« ein Gegensatz der Grund-sätze, vielmehr nur ein Gegensatz der nationalen Interessen war, welcher die beidenStaatsmänner getrennt hielt. Chateaubriand hat mit Offenherzigkeit den Schlüsselzu seiner Handlungsweise dargeboten: er war überzeugt, daß Frankreich für seineInteressen mehr von Rußland zu erwarten habe als von England. Zu allen Zeitenwürde ein solches Bekenntniß in solchem Munde sehr merkwürdig sein; aber derMann, der es ausspricht, leitete Frankreichs Politik zu einer Zeit, als RußlandsBlicke auf den Osten geheftet waren, und man weiß, was eine Trennung, eineSpannung zwischen England und Frankreich bedeutet, so oft Rußland eins seinerZiele verfolgt.

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