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Zwöflter Band.
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1037
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Die orientalische Frage. 1037

Aber der russische außerordentliche Gesandte hatte sich doch geweigert, mit ihm zuVerkehren. Dagegen hatte der Fürst den uralten Khosrew besucht, dem man dieVerständigung von Unkiar-Skelessi besonders zuschrieb. Schwere, schwüle Gedankenbrüten überall. Der langjährige Dolmetscher Pisani besorgt, es sei ein geheimerVertrag im Werke; Nifaat-Pascha versichert, was Mentschikow vorschlage, gehe weiterals der Vertrag von Unkiar-Skelessi. Der Oberst Rose, ein Mann, der in levan-tischer Politik grau geworden, findet die Lage so ernst, daß er das englische Geschwa-der herbeiruft. Der Admiral Dundas verweigert es, Malta zu verlassen. Die eng-lische Regierung billigt die Weigerung des Admirals, sie seht (23. März) Vertrauenauf den Zaren und seine feierlichen Versicherungen. Die französische Regierung be-eilt sich, die Flotte von Toulvn nach Salamis zu senden und dem Botschafter inKonstantinopel eine Weisung (22. März) zugehen zu lassen, welche die Fälle einesHülfegesuchs der Pforte, eines russischen Angriffs und auch eines Versuchs derrussischen Flotte, den Bosporus zu sorciren, bespricht und sehr bestimmte und ener-gische Maßregeln anordnet. Gar merkwürdig ist eine Depesche des Ministers desAuswärtigen an den Grafen Walewski (23. März 1853): „Ich weiß nicht, obunsere Flotten zu spät oder zu früh ankommen werden, aber es scheint mir wesent-lich, daß man immer fürchte, sie zusammen ankommen zu sehen." Wie sehr weißdagegen Grqf Nesselrode die Zurückhaltung, das vertrauensvolle Nichtsthun des bri-tischen Cabinets zu würdigen. Graf Nesselrode schreibt am 7. April an den BaronBrunnow, zur Mittheilung an den Grafen Clarendon: „Nichts wäre mehr zu be-klagen gewesen, als die beiden Seemächte, wenn auch nur für einen Augenblick undmehr scheinbar als wirklich, sich über die orientalische Frage vereinigen zu sehen, so-wie sie im jetzigen Augenblicke liegt." — „Die Haltung Englands wird genügen, umdie Maßregeln zu nevtralisiren, welche seitens Frankreichs oder der Türkei — wenndiese durch die Anwesenheit der französischen Flotte sich ermuthigt fühlen sollte —zu lange die günstige Lösung des Streits erschweren oder verzögern könnte." Dannwird dem Grafen Aberdeen „mit Vergnügen Glück gewünscht, daß er die schöneRolle verstanden, die England dabei zu spielen hatte".

Man muß sich.in Petersburg bewußt gewesen sein, wie kirre man diese Eng-länder gemacht, sonst hätte man gewärtig sein müssen, die grausame Ironie dieserSprache als Das, was sie ist, aufgefaßt zu sehen. Aber es hat keine Noth. Nurerst am 31. Mai — nachdem die diplomatischen Beziehungen zwischen Rußland undder Pforte durch Mentschikow's Abreise abgebrochen und die Rüstungen immer ge-waltiger geworden, nur erst dann läßt Graf Clarendon ernstlich, aber im freund-schaftlichsten Sinn Erklärungen nachsuchen, welches Ziel man im Auge habe, wieund wie weit das Gebiet des Sultans" und die Ruhe Europas jetzt bedroht sei. Ernimmt den Grafen Nesselrode zum Zeugen, daß das Vertrauen der britischen Re-gierung auf die Politik und die Absichten Rußlands gegen die Türkei „unbegrenzt"gewesen. Zugleich erklärt er aber, die türkischen Minister hätten dem Sultan beider geringsten Rücksicht auf die Würde desselben und die Sicherheit seiner Besitzungen,die Annahme'von Mentschikow's Bedingungen nicht anrathen können noch dürfen.

Was ist es denn nun, was dies „unbegrenzte Vertrauen" der englischen Re-gierung wankend gemacht hat? Es ist, weil endlich, in der elften Stunde, die Con-sequenzen des von England so bereitwillig anerkannten zarischen Schutzrechts ihr auf-dämmern. Die Form von Mentschikow's Federungen hat vielleicht das Meiste dazubeigetragen, den Engländern die Augen über deren Inhalt zu öffne»;. Wenn aucheine herrische Manier alle Schritte des russischen Unterhändlers vom ersten bis zumletzten bezeichnet haben mag, so ist doch unleugbar, daß er, was die Form der An-erkennung anlangt, seine Federungen herabstimmte und daß er die Fristen verlängerte.Er hatte einen förmlichen Vertrag begehrt; später gab er sich zufrieden, wenn ernur die minder feierliche, den Türken geläufige Form des Sened erhielt; endlich warer bereit, sich zu begnügen, wenn nur ein von ihm eingereichter Notenentwurf an-genommen wurde. Indem er in dieser Weise zurückwich, handelte er, wie Graf