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^ Die orientalische Frage.
! auf seine eigene Zukunft und auf die italienischen Entwickelungen hinausblickte, so geht! aus den von D'Jsraeli soeben gemachten Enthüllungen hervor, daß Frankreich,, schonam 22. Dec. 1854, also vier Wochen vor dem Abschluß mit Sardinien, an OstreichZusagen gemacht, welche in Sardiniens Augen, wenn es darum gewußt hätte, denWerth seines Beitritts zur westlichen Allianz sehr vermindert haben dürften. WennÖstreich seit dem 22. Dec. 1854 darüber beruhigt war, daß auch, wenn es sich ge-müßigt fände, seine Truppen aus Italien zurückzuziehen, der Besitzstand in diesemLande doch nicht angefochten werden sollte, so steht sehr dahin, ob für die solcherge-stalt gestörten Aussichten Sardinien sich entschädigt hatte finden mögen durch dieverbindliche Wendung, mit welcher Lord Palmerston (in Melbourne am 15. Sept.1855, bei einem Festessen) versicherte, durch Sardiniens Beitritt sei die Allianz zueinem Bündnisse gegen die Tyrannei geworden.
! Wie dem auch sein mag, sardinische Truppen (und zwar einige Tausend
Mann mehr als die versprochenen 15000) haben im April nach der Krim sich ein-geschifft, nachdem sie durch die Cholera decimirt waren, hat der Rest sich sehr bravgeschlagen; aber Nachfolge hat das Beispiel Sardiniens bei andern Neutralen nichtgefunden. Die Lehre, die der Graf Cavour in seiner Rede vvm 26. Jan. auf-stellte — die Neutralität sei für Staaten ersten Ranges manchmal möglich, fürStaaten zweiten Ranges aber selten glücklich — diese Lehre, die der Politik desHauses Savoyen zu allen Zeiten nicht weniger entspricht als der des sicilischen Kö-nigs Hiero beim Ausbruch des Kampfes zwischen Rom und Karthago, sollte nun ausanderm Munde der Welt verkündigt werden.
Es war beim Schluß der großen Ausstellung, daß der Kaiser Napoleon III.am 15. Nov. 1855 eine Rede hielt, die von der einfachen Betrachtung aus-gehend, daß die Künste des Friedens auf die Dauer eben „nur im Frieden gedeihen,
! zur Beendigung des Kampfes den Druck der allgemeinen Überzeugung für nothwen-
dig erklärte; denn, wie glänzend auch die Erfolge der Heere, so sei es doch die öf-- fentliche Meinung, die stets den letzten Sieg davontrage. In diesem Ausaptmen-
, hang sprach er an die „aus aller Welt Versammelten" die denkwürdigen Worte:
„Sagen Sie Ihren Mitbürgern, daß, wenn sie den Frieden wünschen, sie offen zummindesten Wünsche für oder wider uns kundgeben müssen; denn inmitten eines um-fassenden europäischen Krieges ist die Gleichgültigkeit eine schlechte Berechnung undLas Schweigen ein Irrthum."
Diese Worte fanden in den Cabineten einen unliebsamen Widerhall. Wennvorn Druck der öffentlichen Meinung die Rede sei, so scheine es, daß mit Hülfedieser sogenannten öffentlichen Meinung eben ein Druck auf die Regierungen ausge-übt, daß das Recht der Neutralität, 'ein unveräußerliches Recht, solange das Wohlund Wehe des eigenen, nicht irgendeines fremden Staats, das Augenmerk jederRegierung bilde — daß also die freie Selbstbestimmung, die Unabhängigkeit derStaaten in Zweifel gezogen werden solle. Wenn wir unsere eigene Überzeugung hierreden lassen dürfen, so sind wir allerdings der Meinung, die wir oben entwickelten,als von dem Ton der westmächtlichen Diplomatie die Rede war, daß die Zudring-lichkeiten und ungestümen Anfoderungen übel angebracht waren, im Verhältniß wiedie westmächtlichen Regierungen den Weg, um Rußland wirklich zu demüthigen,so wenig einschlagen wollten, als sie es konnten. Die Diplomatie hat in der Thatbei mehr als einem Anlaß, ermuthigt vollends durch den Fall Sewastopols, dasMögliche in der Rücksichtlosigkeit geleistet. Unwidersprochen blieb der Bericht derenglischen Blätter über die Rede, welche Sir A. Malet, der englische Gesandte beimDeutschen Bunde, in Homburg, also unter den Augen des Bundestags, gehalten, inwelcher er den König und die Regierung von Preußen für alle Leiden des Kriegsverantwortlich machte, indem sie in Preußen die zum Kriege drängende öffentlicheMeinung der Mehrzahl des preußischen Volks gewaltsam niederhielten. Als einöstreichischer Gesandter im Jahre 1727 in England sich erlaubte, in ähnlicher Weisezwischen Regierung und Volk unterscheiden zu, wollen, erließ das Unterhaus eine