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Maria von Burgund nebst dem Leben ihrer Stiefmutter Margarethe von York, Gemahlin Karls des Kühnen, und allerlei Beiträgen zur Geschichte des öffentlichen Rechts und des Volkslebens in den Niederlanden zu Ende des fünfzehnten Jahrhunderts aus französischen, flämischen, holländischen und teutschen Quellen / von Dr. Ernst Münch
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König empfand über die Nachricht von dieserBewegung solche Wuth, und über die von demglücklichen Ausgange solchen Uebermuth, dasser alsbald Befehl gab, die Abgeordneten vonArras auf dem Wege einzuholen und zu ver-haften. Zu Lens wurden sie, friedlich beim Mit-tagsmahl sitzend, überrascht und nach Hesdingeführt. Meister Tristran befolgte die Gedan-ken seines Herrn gewissenhaft und liess sie fastin dem Augenblicke ihrer Ankunft hinrichten. AlsLudwig hievon Kunde erhalten, belobte er denEifer seines Dieners, und veranstaltete nur noch,dass der Kopf Meister Oudarts wieder aus derErde genommen und mit einem scharlachnen undmit Hermelin verzierten Pelze angethan, wie esdamals den Parlamentsräthen gebührte, auf demMarkte zu Hesdin ausgestellt würde. Solchgrausamen Spott trieb der König noch mit denOpfern, die er geschlachtet, und noch wider-licher klingt der Inhalt seines Schreibens anden Herrn von Bressuire, worin der Vorfallmit teuflischer Schadenfreude und empörend-eisigem Lakonismus mitgetheilt wurde.

Die zu Arras wurden jedoch durch die Be-richte hievon nur zu grösserem Hasse, ja biszu einer an Wahnsinn grenzenden Wuth ge-steigert. Sie überschütteten die Franzosen vonden Mauern herunter mit Schimpfworten undSpottliedern; und als der König in Person her-zog, die Belagerung zu betreiben, entwickelten