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Maria von Burgund nebst dem Leben ihrer Stiefmutter Margarethe von York, Gemahlin Karls des Kühnen, und allerlei Beiträgen zur Geschichte des öffentlichen Rechts und des Volkslebens in den Niederlanden zu Ende des fünfzehnten Jahrhunderts aus französischen, flämischen, holländischen und teutschen Quellen / von Dr. Ernst Münch
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Genfer, empfindlich über den erlittenen Ver-lust, mischten sich fortan weniger als bisherin die innern Angelegenheiten des Palastes, undihre Freunde hatten wieder freiem Zutritt. Manarbeitete demnach von nun an mehr diplomatisch,um ihr Herz oder ihren Verstand für den einenoder andern Freier zu bestechen.

Der Bischof von Lüttich, Ludwig von Bour-bon, wie schon früher bemerkt worden, dieSeele der französischen Partei, und als ihrOheim und väterlicher Freund, sonst in vielenDingen ihr vertrauter Rathgeber war für dieHeirath mit dem Dauphin wie zuvor eifrig be-müht; allein die Anhänger der entgegengesetztenSysteme wussten vom Hofe ihn zu vertreiben,und er erlag zu Lüttich der Rache der Einwoh-ner und der Eisenhand des Ebers der Ardeanenauf furchtbare Weise.

Die zweite Partei war für den ältern Sohndes Herzogs von Cleve, Adolf zu Ravenstein,welcher am Hofe von Burgund ebenfalls dieRolle eines väterlichen Freundes spielte, undMarien, als von den Gentern bestellter Vor-mund, fortwährend wie unter der Ruthe hielt*).

Allein diesem Plane stellten sich mehrere

*) Er war eigentlich zu gleicher Zeit eine Art vonGeneralgubernator in Flandern; Jan van Daysele, oderDazsele, hingegen Generalcapitän der Stadt Gent undOberanführer der Schüttere.