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Maria von Burgund nebst dem Leben ihrer Stiefmutter Margarethe von York, Gemahlin Karls des Kühnen, und allerlei Beiträgen zur Geschichte des öffentlichen Rechts und des Volkslebens in den Niederlanden zu Ende des fünfzehnten Jahrhunderts aus französischen, flämischen, holländischen und teutschen Quellen / von Dr. Ernst Münch
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für den Vollzug des Verlöbnisses. Wenn mandagegen andrerseits die geoffenbarte Freude derFlamänder iin Allgemeinen darüber und ihrenHass wider Frankreich mit diesen Thatsacliennicht recht zusammenreimen kann, so hebt sichder Widerspruch durch den Umstand, dass dieGrossen und die Städter zweierlei Interesse,und diese Letztem, im Blicke auf die Lage derNiederlande, ihre Gesinnungen geändert hatten.Der Herr von Ravenstein, als Verwandter undalter Freund der Maria von Vaters Zeiten her,mochte es persönlich immerfort mit der Fürstinwohl nicht ühel gemeint haben, und die mei-sten neuern Geschichtschreiber stellen ihn durch- ;aus unrichtig in ein feindseliges Verhältnissder Prinzessin gegenüber, da er im Gegentheil iauch nachher noch oft rathend und hülfreicherscheint; aber eine schwer zu beschwichti-gende Eitelkeit hatte ihn bestimmt, an seineTreue gegen das Haus Karls des Kühnen den !Wunsch der Erhebung seines eigenen Hausesdurch eine Heirath zu knüpfen. Er hatte dahervielleicht, nach der Zurückweisung des älternSohnes, einen ähnlichen Plan mit seinem zwei- ;ten, dem nachmals so berühmt oder berüchtigtgewordenen Philipp von Cleve, entwoxfen, wel- Jeher die Verschmähung seiner Familie durch jAnzettelung langjährigen Bürgerkriegs und Un- jterhaltung feindseliger Elemente bitter genug ;gerächt und bald in der Opposition der Grossen, ;