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Maria von Burgund nebst dem Leben ihrer Stiefmutter Margarethe von York, Gemahlin Karls des Kühnen, und allerlei Beiträgen zur Geschichte des öffentlichen Rechts und des Volkslebens in den Niederlanden zu Ende des fünfzehnten Jahrhunderts aus französischen, flämischen, holländischen und teutschen Quellen / von Dr. Ernst Münch
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Fürsten zur Schau gestellt. Noch nie jedochwar übrigens auch ein teutsches Gefolge mitsolchem lvostenaufwande in ein fremdes Landgezogen, und der Anblick so vieler stattlichenund reich geschmückten Ritter in ihren glän-zenden Harnischen und in ihrem trotzig edlenWesen erregte allgemeine Bewunderung*).

TJeber dem Portal des Thores, durch dasder Fürst von Oesterreich ritt, las man in la-teinischer Sprache die Worte: Du bist unserHerzog', streite unsern Streit, und so Du estimst, werden wir in Allem Deinen Geboten ge~horchen / Nur mit Mühe konnte Maximilianmit den vornehmsten Begleitern durch die wo-gende Volksmenge bis zum Schlosse gelangen,

) Verschiedene Geschichtschreiber suchen auch beidiesem Anlass die Armuth der teutsclien Pürsten, den Geizdes Kaisers Friedrich und die Grossierete des Gefolgesvon Maximilian hervorzuheben. Aber alle niederländischenund teutschen Hauptquellen sprechen auf das Entschieden-ste für das Gegentheil. Die Nachricht, dass Maximilianvon seiner Braut erst Geld entlehnt habe, um ihrer würdigerscheinen zu können, ist ein frostiger Spass des erfin-dungsreichen Neides französischer Historiographen, undebenso unwahr als eine andere Notiz, dass König Ludwig XI.noch kurz vorher den Prinzen als einen ungestalten Mann,ja als eine Art Ungeheuer, beschrieben, und Mariendadurch mit Schrecken erfüllt habe. Sie hatte ihn früherja persönlich gesehen und ein getreues Conterfey nachmalsvon ihm erhalten und bewahrt, wie wir schon früherbemerkt haben.