Band 
Erster Band. A - G.
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Blausaures Kali

L16

Blech

blech und Eisenkitt zu verschließen, allein dieser Verschlußist von kurzer Dauer. — Die geschmolzene Masse, welcheerkaltet eine aschgraue Farbe besitzt, wird noch heiß in einemmit Flußwasser angefüllten Kessel aufgelöst, welches durch'sErhitzen der Flüssigkeit und Umrühren befördert wird. Dieheiße Flüssigkeit wird dann durch einen mit Leinwand aus-gekleideten Korb geseiht, auf den Rückstand nochmals Was-ser aufgegossen, siedend gemacht und eben so verfahren.Der ausgelaugte Rückstand besteht aus Kohle, Kieselerde,phosphorsaurem Kalk, Magnesia, mit sehr wenig Kalisalzverbunden, sieht grauschwarz aus und wird meist als guterDünger benutzt, erlangt beim Liegen an der Luft eine gelb-lich-schwarzgraue Farbe. Die Lauge, Blutlauge, siehtschmutzig-gelb aus, wird in flachen eisernen Siedepfannenabgedampft und nach gehöriger Concentration in hölzerneWachsfäffer gezapft, um anzuschießen. Der erste Anschußist ein unreines Salz, welches in schmutzig gelblichen Blät-tern erscheint; es wird von neuem aufgelöst, die Lösungconcentrirt und durch wiederholtes Krystallisiren gereinigt;die Mutterlauge von beiden wird einer besondern Aufberei-tung unterworfen. Da nämlich in der geschmolzenen Masseaußer dem Cyaneisenkalium noch verschiedene andere Salzeenthalten sind, so müssen dieselben durch Aufnahme vonMutterlauge das krystallisirende Salz verunreinigen, wes-halb eine zweimalige Krystallisation nöthig ist. Da auchein zweimaliges Krystallisiren nicht hinreicht, das Salzvollkommen rein zu gewinnen, so hat man zum chemischenGebrauch schon seit längerer Zeit sich folgender Darstel-lungsweise bedient. Man kocht ganz reines Berlinerblaumit reiner Aetzkalilauge oder einer Auflösung von kohlen-saurem Kali, setzt von dem ersteren so viel zu, bis es nichtmehr zerlegt wird, d. h. bis etwas, ohne braun gefärbt zuwerden, übrigbleibt. Die Flüssigkeit wird dann siltrirt,gelinde abgedunstet und krystallisirt. Da aber meistens et-was kohlensaures und schwefelsaures Kali den Krystallenanhängt, so löst man dieselben in destillirtem Wasser auf,neutralisirt das kohlensaure Kali durch Essigsäure, schlägtdie Schwefelsäure mittelst essigsauren Baryts nieder, dampftdie Flüssigkeit auf die Hälfte ein und setzt Alkohol hinzu,welcher das essigsaure Kali, welches durch jene Operationsich gebildet hatte, aufgelöst erhält, das Cyaneiscnkalium(blaus. Kali) aber niederschlägt. Der weiße Nicdersehlagwird mit Alkohol abgewaschen, in destillirtem Wasser auf-gelöst und in Krystalle verwandelt. Das Salz bildet citro-nsngelbe, durchscheinende, rechtwinkelig vierseitige Tafeln— das reine hat eine mehr ins Wachsgelbe übergehendeFarbe—, schmeckt süßlich-bitterlich, ist geruchlos, verwit-tert in warmer Luft, wird Heller gelb und endlich farblos,löst sich in 8 Theilen Wasser von 20», nicht aber in Alkoholauf, besteht aus 28,28 Cyaneisen, 61,06 Cyankalium,12,76 Wasser, schmilzt in mäßiger Hitze; in höherer wirdes zersetzt (nach Schubarkh's techn. Chemie). — Ge-brauch: das blausaure Kali dient zur Darstellung derBlausäure, des Berliner-, Pariser-, Mineral - (Erlanger-)Blaues, zum Blaufärben von Seide (Ölen Ilaxmonil), vonSchafwolle, Baumwolle, Leinen, auch um eine brauneFarbe mit Kupferoxydsalzen (z. B. Kupfervitriol) hervor-zubringen. Es bewirkt auch in den meisten Metallauflö-sungen Niederschlägt, die sich zum Theil durch eigenthüm-

liche Farben auszeichnen; deshalb ist es dem Chemiker einsder unentbehrlichsten Reagentien. — Jetzt liefern es fast allechemischen Fabriken zu ziemlich geringen Preisen, währendfrüher der Centner 200 bis 300 Thaler kostete.

Blech nennt man im Allgemeinen alle zu dünnen,gleichförmigen Platten oder Blättern geschlagene oder ge-walzte Metalle. Das Schlagen geschieht durch Hämmcr,die meist vom Wasser bewegt werden, das Walzen, indemman das Metall zwischen eisernen Walzen durchzieht, dievon Stufe zu Stufe immer enger gestellt werden, um nachund nach die erforderliche Dünne des Bleches hervorzubrin-gen. Wenn das Blech die größte Tauglichkeit besitzen soll,so muß es auf der Oberfläche vollkommen glatt und eben,ohne Beulen, Runzeln und Schiefern, überdies an allenStellen eine Tafel von vollkommen gleicher Dicke sein.Diese äußeren Eigenschaften, weit entfernt, blos zur Schön-heit beizutragen, haben auf die Verarbeitung wesentlichenEinfluß und dürfen daher nie vernachlässigt werden; siehängen ganz allein von der Sorgfalt bei dem mechanischenVerfahren der Blechfabrikation ab. Nicht weniger wichtigist die innere gute Beschaffenheit, nämlich daß das Blechmöglichst zäh und von unganzen Stellen frei ist. Diesehängt allein von der Wahl des besten Materials ab. DasBlech wird durch Hämmern erzeugt und heißt geschlage-nes. Die Blechhämmer werden jedoch jetzt bei fort-schreitender Vervollkommnung der Fabrikation immer mehrdurch Walzwerke oder Streckwerkc verdrängt. Diesebestehen hauptsächlich aus zwei, horizontal über einandergestellten, sehr starken, glatt gedrechselten und mit Schmir-gel abgeschliffenen Eisengußwalzen, in einem gußeiserne»Gestell, so daß sie nach Bedürfniß zusammengestellt werdenkönnen. — Die verschiedenen Arten des Blechs sind:

1) Eisenblech. Zur Verwandlung in Blech muß einEisen gewählt werden, welches in hohem Grade weich undzäh oder dehnbar ist. Zähes und zugleich hartes Eisen giebtzwar ebenfalls gute Bleche, muß aber, da cS beim Abkühlendie Bearbeitung nicht so lange erträgt, zu oft geglüht wer-den, wodurch jedesmal ein Zeitverlust und eine Vergröße-rung des Abbrandes entsteht. Stabeisen, welches faul-brüchig oder mürbe ist, sich unter dem Hammer leicht zer-schlägt und Risse bekommt, kann wenigstens nicht zu dendünnsten Blechsorten verarbeitet werden. Die aus kalt-brüchigem Esten erzeugten Bleche sind spröde und daher zurweiteren Verarbeitung schlecht geeignet. RothbrüchigesEisen kann, da es in der Hitze, bei welcher es gestreckt wer-den soll, berstet und zerreißt, gar nicht gebraucht werden.Der Form nach ist das Eisen zur Blechfabrikation desto be-quemer, je mehr es sich schon der Gestalt des Bleches nähert,also je flacher und breiter die Stäbe ausgeschmiedet oderausgewalzt sind. Dies gilt ganz besonders für die Berei-tung des gewalzten Bleches, weil bei der Verarbeitung vondicken Eisenstäben die Walzen zu sehr leiden und zu oft ge-stellt werden müssen. -Uebrigens richtet sich Länge, Breiteund Dicke des Materialeisens nach der Größe und Stärkeder Blechtafeln, welche daraus gemacht werden sollen. Einegroße Menge Eisenblech wird verzinnt. Das verzinnteEisenblech heißt Weißblech, das unverzinnte, weil seineOberfläche durch die im Feuer vorgegangene Oxydationschwarz ist, Schwarzblech. Das Schwarzblech in größe-