Band 
Erster Band. A - G.
Seite
696
JPEG-Download
 

Fabriken

— 696 — Factor

eines solchen Unternehmens die Menge und Verschiedenartig«keit der versendeten Waaren, sondern die paffende Wahl der-selben. Der Kaufmann, wie im Kleinen so im Großen, wiein der Nähe so in der Ferne, hängt im Geschäft von derNachfrage nach der Waare auf seinem Lager ab; kann erdieselbe befriedigen, so ist der Vortheil für ihn sicher.

Um die inländischen Manufakturen und Fabriken inihrem innern Wesen mehr und mehr zu verbessern, hatder Staat selbst den Mängeln derselben nachzuspüren unddahin zu wirken, daß dieselben abgestellt werden. Er thutwohl, durch Verordnungen die Beschaffenheit der zu erzie-lenden Waaren festzusetzen und mit der Prüfung der betref-fenden Gesetze und der Beaufsichtigung jener Anstalten dieCommerz-Behörde» zu beauftragen. Dies geschieht z. R.in Hannover für die Leinwandfabrikation durch die Linnen-lcggen. Die Einführung besonderer Manufaktur- undFabrikgerichte, die sich den Handelsgerichten anschließen, isteine eben so wohlthätige als nöthige Einrichtung. Nament-lich zeichnet sich Frankreich durch derartige Institute aus.Bergl. die beiden Schriften: Specialgerichte für unsere Fa-brikgewerbe, von Meißner, Leipzig 1846; und: Fabrikge-richte in Frankreich, ebd. 1846. Den Besitzern von Manu-fakturen und Fabriken muß der Verkauf ihrer Erzeugnisseim Kleinen untersagt sein, indem den Kaufleuten des Lan-des hierdurch ein großer Nachtheil erwächst, da natürlich derProducent seine Waaren stets etwas wohlfeiler liefern kann,als der Kaufmann, welcher doch auch seinen Gewinn beimVerkauf suchen muß. Weiter oben aber haben wir schonbemerkt, daß nie die Fabriken und Manufakturen auf Kostendes Handelsstandcs begünstigt werden dürfen.

Das Thierreich und Pflanzenreich sind es Haupt«sächlich, welche die zur Produktion der Manufaktur-waaren nöthigen rohen Stoffe liefern, und daher sind auchalle Länder der Erde mehr oder weniger zur Herstellung vonManufakturen geeignet, indem nicht leicht ein Land soganz entblößt von allen Erzeugnissen jener Naturreiche seindürfte, daß sich darin nicht eins oder das andere fände, wel-ches sich durch Bearbeitung zu einer Kunstwaare umgestaltenließe und dadurch den Bewohnern des Landes den Anlaß zueiner nützlichen Beschäftigung gäbe. Anders verhält es sichmit den Fabriken. Da diese ihre Materialien vorzüglichaus dem Mineralreich entnehmen, so sind von Naturblos solche Länder zur Gründung dieser Anlagen befähigt,die einen Reichthum an diesen Produkten besitzen, und ohneZweifel würden diese Länder ausschließlich Fabriken be-sitzen können, wenn sie streng darauf hielten, keine der ro-hen, unverarbeiteten Stoffe nach andern Ländernausführen zu lassen. Es sind nun aber die Gebirge,welche den Hauptreichthum an mineralischen Erzeugnissenbesitzen, und gebirgige Länder der Schooß der Fabriken.So ist denn namentlich unser Deutschland von der Na-tur in hohem Grade zur Anlegung dieser Anstalten begün-stigt; so sind die herrlichen Schätze der Gebirge Sachsens,des Harzes, der österreichischen Lande, Schlesiens rc. einereiche Quelle unserer Nationalindustrie. Daher müssen auchdie Regierungen unseres Vaterlandes ein Hauptaugenmerkauf die inländischen Fabriken richten, die in den neuestenZeiten durch die außerordentlichen Fortschritte der Chemie

der Gegenstand einer immer größeren Vervollkommnung ge-worden sind.

- Die vier wichtigsten Produkte, deren Verarbeitung derGegenstand der Manufakturen ist, sind: der Flachs,die Seide, die Baumw o lle und die W o lle. Auch derHanf gehört hierher; doch ist dessen Anwendung (vorzüg-lich zu Tau- und Segclwerk und andern Seilerarbeiten) be-schränkter als die der vorigen. Diese Nakurerzeugniffe sinddie Grundlagen aller der so mannigfaltigen Manufaktur-zweige.— Diejenigen Manufakturen, welche den Flachsverarbeiten, sind: die Leinen-Garnspinnereien, Leinwand-manufakturen und die Manufakturen der übrigen leinenenZeuge (als Batist rc.), die Zwirn- und Spitzenmanufakturcn.— Die Verarbeitung der Seide ist das Geschäft derSeidenmanufakturen, welche die verschiedenartigsten seidenenund halbseidenen Stoffe, Sammete, Tücher, Bänder ic.daraus bereiten, und der Seidenhut-Manufakturen. — Mitder Verarbeitung der Baumwolle beschäftigen sich dieKattunmanufakturen, die Manufakturen der Musseline, desBarchent und anderer baumwollenen Zeuge, der baumwolle-nen Tücher, die Baumwollen-Garnspinnereien rc. — DieWolle verarbeiten: die Tuchmanufakturen und die der üb-rigen so mannigfaltigen wollenen Zeuge (als Flanell rc.),die Wollen-Garnspinnereien, die Strumpfwebereien undTeppichmanufakturen rc. — Den Hanf verarbeiten vor-züglich die Seilereien und Segeltuchmanufakturen. — DieVerarbeitung einiger andern thierischen Produkte, nämlichder Haare der Kaninchen und Hasen, der Ziegen, Kamceleund Biber, so wie auch der Schafwolle, sind ein Gegenstandder Hutma n ufaktu ren.

Die hauptsächlichsten Gattungen der Fabriken sindnachstehende: 1) diejenigen, welche Produkte des Mineral-reichs verarbeiten; die sogenannten chemischen Fabri-ken (vorzüglich mineralische Salze und Säuren erzeugend),die Alaun- und V itr i o l si ed er e i e n (im Grunde einebloße Untergattung der vorigen), die Farbenfabriken,die sogenannten Gold- und S ilb er fa bri ken (Tressen,Goldschlägerarbcitcn, Drahtzicherarbeiten u. dgl.), die Me-tallfabriken (Kupfer-, Messing- und Bronze-WaarensStecknadelns, Glockenspeise, Stückgut und andere Legirun-gen des Kupfers), die Eisen- und Stahlfabriken (Ei-sengußwerke, Schmiedewerke, Blechhämmer, Stahlhütten,Gewehrfabriken sNähnadelnj rc.), die Schriftgieße-rei e n, die U h r f a b r i k c n, die P o r z e l l a n-, S t e i n g u t-,

Glas- und Spiegelfabriken u. m. a. — 2) Diejeni-gen, welche vegetabilische Erzeugnisse verarbeiten: dieTabaksfabriken, Stärkefabriken, die Bier- undEssigbrauercicn, Branntweinbrennereien, dieAuckersiedereien oder Zuckerraffinerien, die Pa-pierfabriken u. m. a. — 8) Die, welche Erzeugnisse desThierrcichs verarbeiten: die Wachsbleichen, Sei-fenfabriken, Gerbereien, die Fabriken des gefärb-ten Leders u. m. a.

Das Nähere über diese einzelnen Waaren, deren Jube-reitungsweise rc. wolle man unter den bezüglichen gleichna-migen Artikeln nachlesen.

Factor, Disponent,Geschäftsführer,heißt

derjenige Handlungsgehülfe, welchem der Prinzipal die Lei-