Band 
Erster Band. A - G.
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762
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Gewinn — 762 — Gewürznelken

Die Gewichte sind im allgemeinen willkürlich angenom-mene Größen, die man wieder in gewisse kleineTheile theilte.Die gewöhnliche Gewicht-Einheit ist das Pfund. InFrankreich wurde zuerst mit dem rationellen Maaß ein ra-tionelles Gewicht (Decimalgewicht) eingeführt. Indessenist das Pfund mit allen dazu gehörigen Gewichten in denverschiedenen Staaten sehr verschieden, wie dies in den ein-zelnen Artikeln über die Staaten und Städte nachgewiesenist. UebrigenS ist in de» deutschen Jollvereinsstaaten die Ver-schiedenheit des Gewichts insofern beseitigt, als nach demGesetz vom 31. Oktbr. 1830 als Vereinsgewicht für dasZollwcsen der sogenannte Zollcentner — 100 Zoll-pfund a 30 Loth seit 1840 eingeführt worden ist.

Gewinn heißt der bei dem Betrieb irgend eines Ge-schäfts sich ergebende Ueberschuß über das im Geschäft an-gelegte Kapital. Die Größe desselben ergiebt sich durch dasvon Zeit zu Zeit aufgestellte Inventarium des Geschäfts,s. darüber Buch halten. — Bruttogewinn nenntman die ganze Summe des Geschäftögewinns, wovon dieBetriebskosten noch nicht abgezogen worden sind, Netto-gewinn (Netc-Provenue) oder reinen Gewinn dage-gen den wirklichen Ueberschuß oder Nutzen, nach Abrechnungaller Betriebskosten, oder, mit andern Worten, den Betrag,um welchen die Activa eines Geschäfts die Passiva desselben,nach Abzug des Anlagekapitals, übersteigen. — Imagi-närer oder muthmaßlicher Gewinn heißt derjenige,welchen man sich von einer Unternehmung im voraus ver-spricht. Er kommt besonders bei See- und Flußassekuran-zen in Betracht, indem man bei der Versicherung eines zuverschiffenden Artikels denselben nicht blos für seinen wirk-lichen (Factura-) Werth, sondern mit Zuschlag des imagi-nären Gewinns assekurirt, welchen man in der Regelmit 10 Proc. des Fakturabetrags in Anschlag bringt.

Gewinn - und Verlust-Conto, s. Buch halten.

Gewürznelken, Nägelein oder Nelken, französ.Gaus go xirolls; engl. kllovos; ital. Oarolloli, Lbiovi üi xm-o-kono, heißen im Handel die nicht ganz entwickelten Blüthen-knoSpen des Nägelein- oder Gewürznelkenbaumes, Lurvo-pbvllus arumolicus u., dessen Vaterland die moluckischen In-seln sind. Von hier wurde er nach mehreren andern Gegen-den verpflanzt, z. B. 1770 nach Jsle de France, Bourbonund den Sechellen, 1771 nach Cayenne, 1708 nach Sumatra.Nach der Vertreibung der Engländer von Ambvina (1023)blieben, mit kurzen Unterbrechungen, die Holländer Herrender Molukken oder Gewürzinseln, welche auf allen Inseln,außer auf Amboina, dem Mittelpunkt ihrer Macht, dieRAkenbäume ausrotteten, um sich das Monopol dieses Han-dels zu sichern. Rumpfnennt den Baum den vortrefflich-sten, zierlichsten und kostbarsten aller Bäume, der die Höheunseres Klrschbaumes erreicht, gewöhnlich SO bis 60, aberauch 100 Jahre alt und dabei so dick wird, daß ihn zweiMänner kaum -cmklaftern können. Er theilt sich schon 4bis 3 Fuß über der Erde in mehrere Aeste, hat eine gelblich-graue, glatte Rinde und ein festes, schweres Holz. Er wirdim zehnten oder zwölften Jahr tragbar. So wie er immergrünt, steht er auch den größten Theil des Jahres im reich-sten Blüthenschmuck.

Die kurzgestielten, rosensarbigen, angenehm aromatisch

riechenden Blumen, welche in dreitheiligen Doldenkraubenstehen, zeigen sich theils an den Astenden, theils aber auch inden Blaktachseln. Der Kelch besteht aus einer langen,trichterförmigen, schwachkantigcn Röhre, welche unten mitdem Fruchtknoten verwachsen, sich oben in eine viereckigeEbene endet, an deren Saum 4 dicke, eiförmige, spitzige Ab-schnitte oder Kelchzähne stehen. Anfangs ist derselbe grün-lich, wird aber roth und runzlig. Blumenblätter sind vier,die eine blaßrothe Farbe haben. Die Frucht ist eine dunkel-braune, länglich elliptische, immer zweifächrige, mit denKelchresten gekrönte Beere mit nur 1 oder 2 Saamen-körnern.

Die noch unenlfalteten Blüthenknospen bricht man vomOktober bis December und trocknet sie dann entweder an derSonne oder, nachdem man sie zuvor in Wasser getaucht hat,im Rauch. Im allgemeinen erscheinen die Gewürznelkenvon außen rauh und sehen wie schwach bestäubt aus; aufdem Bruch haben sie einen öligen Glanz, und schon durchgeringen Druck tritt Oel hervor. Der Geruch ist stark aro-matisch, der Geschmack scharf und anhaltend. Die Verschie-denheit in der Farbe soll von der Jahreszeit der Einsamm-lung herrühren. In den Handel kommen die Nelken entwe-der im natürlichen Zustand (trockene Nelken), oder nachdemman vorher schon eine Partie Oel von ihnen destillirt hat(feuchte Nelken). Im letzter» Fall sind sie sehr runzlig unddunkelbraun, und bei vielen fehlen die Blüthenköpfchcn, ha-ben aber übrigens noch einen starken Geruch und Geschmackund geben selbst noch Oel beim Druck zwischen den Fingern.Außerdem unterscheidet man folgende Sorten:

1) Englische Compagnienelken, die vorzüg-lichsten und größten. Sie haben eine hellröthlich nelken-braune Farbe und sind trocken. Sie werden von Londonbezogen. 2) Amboina-Relken, zwar kleiner als dievorigen, aber nach diesen die besten; hellgelblichbraun oderbräunlichgelb. Diese werden aus Holland von Amsterdamoder Rotterdam bezogen. 3) Bourbon-Nelken, sindkleiner als die beiden vorigen Sorten, mehr geschrumpft,trockener, und haben hellgelbe Köpfchen. Sie kommen vonder Insel Bourbon. 4) Nelken von der Insel Jsle deFrance, sind der letzter» Sorte im Ansehen ähnlich, aberin Güte besser. S) Ca y e n n e-N e l k en, den vorigenähnlich, die Köpfchen sind aber kleiner und etwas dunkler,haben einen weniger angenehmen Geruch und einen schär-feren Geschmack. Sie kommen wie alle Gewürznelken ausden französischen Brsitzungen über Bordeaux in den euro-päischen Handel. Die beiden letzter» Sorten werden häufigmit einander verwechselt. 6) Ho ll ä ndi sch e Co m p a g-nie-Nelken, sind immer etwas feucht, runzlich, schwarz-braun, und meist ohne Köpfchen, und schon einer Destilla-tion unterworfen gewesen. — Wenn die Nelken nur einmaldestillirt und dann wieder getrocknet wurden, so werden sienicht, wie man gewöhnlich annimmt, Heller, sondern dunkler,und besitzen den eigenthümlichen Nelkengeschmack und Geruchin hohem Grade. Die Vermischung von dcstillirten undundestillirten Nelken ist deshalb nicht gut thunlich, weil mandie destillirtcn durch ihre dunklere Farbe sogleich von den hel-leren, undestillirten unterscheiden kann. UebrigenS ist mandurch die Manipulation, die Nelken durch einmalige Destil-lation eines Theils ihres Oelgchalts zu berauben, im