Glas
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Glas
druckereien, ansehnlichem Handel. Im Kanton ist die Vieh-zucht, die vorzüglich den grünen Kräuterkäse oder sogenanntenSchabziger gewährt, so wie der Obstbau beträchtlich.
Münzen und Nechnung.
Man rechnet hier entweder nach Gulden zu 30 (lu-zerner) Schilling » 3 Rappen. Im Großhandel wirdgewöhnlich nach Reichsgulden oder nach Gulden im 24-Guldenfuß, nicht nach glarner Gulden gerechnet. Al'swirkliche Münzen giebt es blos 18- und 3-Schilling-stücke; außerdem noch viel züricher, luzerner, französischeund einige süddeutsche (ganze und halbe Guldenstücke, Ver-einsthaler) Münzen. Die franz. neuen Louisd'or geltenhier 10>,2 Fl.; die 20-Francsstücke 8Fl. 34>/zßl., brabanterKronenthlr. und franz. Neuthlr. 2Fl. W'/zßl.; französische8-Francsstücke 2 Fl. 8>/2 ßl.; süddeutsche Gulden 2^ Fl.,VHglarner —98 Fl. im 24>/2-Guldenfuß; 1 schweizer Batzen---3 glarner Schill. — Die Wechselgeschäste werdennach dem züricher Curs gemacht.
Die Maaße und Seniichle sind durch den Beitritt desKantons 1836 zum Concordat der 12 Kantons verändert.Diese neuen Maaße und Gewichte sind dem französischenMaaß- und Gewichtssystems entlehnt, mit Decimaltheilung,aber möglichster Beibehaltung der landesüblichen Namen;nur das alte Mcdizinalgewicht ist dasselbe geblieben. InsLeben eingeführt wurden sie 1840; s. Schweiz. Diefrüheren Maaße und Gewichte waren die züricher,ausgenommen das Flüssigkeitsmaaß: Der Eimer(Weinmaaß) hat 4 Viertel oder 30 Kopf oder 60 Maaß;das Viertel hat 7'/2 Kopf oder 13 Maaß. Der Kopf hat 2Maaß oder 8 Schoppen, die Maaß 4 Schoppen. — DieMaaß hält 89,7 französ. Kubikzoll oder 177,932 Liter, —0,970 züricher Landmaaß, — 1,1862 neue schweizer Maaß;der Eimer 3382 franz. Kubikzoll oder 106,739 Liter, ---- 0,97züricher Eimer lautere Sinne, — 0,71173 neue schweizerSaum; 13 züricher Maaß — 12 Maaß in Glarus. —Das neueBrennholzmaaß ist dem luzerner gleich.
GlaS, franz. Vorre; engl. Klass: ital. Votro; lat.Vitrum. Der Ursprung und die Heimath der Erfindungder Glasbcreitung verlieren sich in das Dunkel des frü-hesten Alterthums. Als eine kostbare Seltenheit wird dasGlas in der Bibel zu Hiob's Zeit erwähnt. Plinius er-zählt, daß phönizische Kaufleute, welche mit Natron (d. h.natürlicher Soda oder kohlensaurem Natron) handelten,während einer Rast am Flusse Belus in Syrien ihre Koch-geschirre auf einige Stücke Natron stellten und Feuer dar-unter anzündeten, durch dessen Hitze die Soda mit demSande, worauf dieselbe lag, zu einer durchsichtigen Massezusammenfloß. So wird die Sache erzählt; indessen ver-mag die Hitze eines nicht verschlossenen Feuers nicht einSchmelzen zu bewirken. Die alten Schriftsteller Pliniusund Skrabo berichten ferner von den Glashütten der Phö-nizier in Sidon und Tyrus. Daß auch die alten Egypterdie Kunst des Glasmachcns besaßen, beweist der Glasschmuckoer Mumien in den Katakomben zu Memphis und Theben.Die Kenntniß des Glases verbreitete sich jedoch sehr langsamunter den Völkern des Abendlandes. Die Römer erhieltenes aus Alexanderen, aber erst nach langer Zeit wurde eshäufiger und allgemeiner. Die ersten Glasscheiben sollen
zur Zeit des Kaisers Nero bekannt geworden sein. Fenster-scheiben aus gefärbtem Glas in Kirchen finden sich im drit-ten Jahrhundert. Farbige Gläser, als Nachahmung derEdelsteine, erwähnen Plinius, Trcbellius, Pollio, Tertul-lian, die damals mit den ächten Perlen in gleichem Preisestanden. Von egyptischcn Priestern erhielt der KaiserHadrian mehrere farbige Glaskelche. In der Mitte desfünften Jahrhunderts waren in der Sophienkirchc zu Con-stantinopel Glasfenster. Im Jahr 674 wurden in Englanddie Fenster der Kirche und des Klosters zu Wereinouth inDurham mit Glas versehen, welches wahrscheinlich von ve-netianischen Künstlern verfertigt worden war; die ältestenSpuren der Glasmalerei (Glasmosaik) fallen in das Endedes 8. Jahrhunderts; im 12. Jahrhundert wurden in derAbtei St. Denys bei Paris farbige Glasfenster eingesetzt.Die allgemeine Einführung der Fensterscheiben fällt etwains 14. und 13. Jahrhundert. In England kamen sie1180, in Wien aber nicht vor 1438 in Gebrauch. Die er-sten Glashütten entstanden in Europa in Venedig auf derInsel Murano, worin die berühmten Spiegel ic. gemachtwurden. Von hier verbreitete sich die Glasmacherkunstlangsam zuerst nach Böhmen, dann nach Frankreich, vonda nach England und später nach Schweden. Die Errich-tung der erste» Glashütte in England geschah 1357, und inSchweden, durch Deutsche, 1641.
Das Glas ist eine durchsichtige Masse, welche durch Zu-sammenschmelzen und wirkliche chemische Verbindung vonKieselerde, auch wohl Boraxsäure, mit salzfähigen Ba-sen, nämlich Kali, Natron, Kalk, Bittererde, Baryt, Blei-oxyd, Zinnoxyd, Eisenoxydul, Manganoxydul, Thonerde,Eisen- und Manganoxyd in einer bestimmten Auswahl, jenachdem es farblos oder farbig sein soll entsteht. Ohngeachtctder großen Sprödigkeit und Zerbrechlichkeit ist das Glas einesder bedeutungsvollsten Dinge, ohne das weder die Wissen-schaften der Astronomie, Physik, Chemie und Physiologiesich hätten entwickeln, noch auch viele Bedürfnisse des ge-wöhnlichen Lebens hätten befriedigt werden können.
Zur Bereitung des Glases wendet man folgende Mate-rialien an: 1) Kieselerde, die aber selten so rein ist, wiesie farbloses und feines Glas erheischt; Quarz oderQuarzsand; am meisten den Sand; auch den Feuer-stein. Der Sand und Quarz werden erst geglüht unddann in kaltem Wasser abgeschreckt. 2) Kalk; man wen-det nicht nur den gebrannten und an der Lust zerfallenenan, sondern auch den kohlensauren (die Kreide). Man ziehtübrigens von ersterem den gebrannten dem ungebranntenvor, da letzterer häufig noch organische Ueberreste enthält,die dem Glase schaden. Durch den Zusatz von Kalk wirddie Glasmasse flüssiger und erhält die Eigenschaft, den Tem-peraturwechsel leichter zu ertragen, ohne zu springen; auchwird das Glas dadurch weicher und leichter durch den Dia-mant schneidbar. Ein zu großer Kalkgehalt macht aber dasGlas milchig und der Uebcrschuß des Gehaltes wirft sich aufdie Tiegclmassc und durchfrißt dieselbe. 3) Holzasche,und selbst ausgelaugte Holzasche zu den geringerenSorten. Zu dem ganz schlechte» (schwarzen oder dunkel-grünen) Glase werden selbst die ausgelaugten Aeschcr(der Potasche- und Seifensieder) und auch des Scifen-siederflusscs (die Salzmaffe, die durch Eindampfen der