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Erster Band. A - G.
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Glas

Glas

in eigends dazu in der Hüttensohle angebrachten Versenkun-gen hin und her. Das Glas nimmt dadurch eine eylindrischeForm an; doch ist das untere Ende noch halbkugles. DerCylinder muß nun am entgegengesetzten Ende geöffnet wer-den, was dadurch geschieht, daß der Glasmacher denselbenim Ofen stark erwärmt, und wenn er recht heiß geworden,mit aller Kraft in die Pfeife bläst, wodurch ein rasches Oeff-nen und Ausdehnen entsteht. Nun wird wieder pendelartiggeschwenkt, und wenn die gehörige Länge erreicht ist, abge-sprengt. Endlich wird der Cylinder der Länge nach geöff-net, indem man die Stelle, wo der Sprung entstehen soll,mit einem glühenden Eisen erhitzt und Wasser nachlaufenläßt. Vom Schmelzofen, wo die Tafeln nur in Cylindergeformt werden, kommen sie, um sie glatt und flach zu ma-chen, in den St restlosen. Dort werden sie allmälig an-gewärmt und dann mit einem heißen eisernen Instrument,der Walzengabel, mitten auf die Streckplatte gelegt, dieLängenspalte nach oben gekehrt. Das durch die Hitze weichgewordene Glas legt sich selbst platt, wird mit dem Streck-eisen auf die Streckplatte angedrückt, mit dem Polireisengeebnet, gebügelt, in den unmittelbar dahinter liegendenKühlofen geschoben, wo die Tafeln bald aufgerichtet an querdurchgehende eiserne Stangen angelehnt, neben einander invertikaler Stellung abkühlen. Sind es Spiegelgläser, somüssen sie, wie die gegossene» Spiegelplatten, liegend kühlen.Um das Ritzen der Glasplatte auf der Streckplatte zu ver-hindern, dient eine dickere Glastafel, Lager genannt, zurUnterlage. Je reiner und ebener die Fläche ist, desto besserdie Glasscheibe, und eine wesentliche Rücksicht bei demSchei-benglase.

Außer der so eben beschriebenen Methode der Fabrika-tion von Tafelglas giebt es noch eine andere, die zuerst inder Rormandie in Frankreich angewandt wurde, welche aberjetzt dort selten ist, dagegen aber desto häufiger in Englandund Preußen (Westphalen) ausgeübt wird. Man nennt siedie Fabrikation des Mondglases (franz. Verena douäi-nes; engl. Lrorviixlass). Der Glasbläser treibt das Glas INForm einer Melone aus, heftet dann am untern Ende einEisen an und drückt den Boden flach und platt. Hieraufwird das Glas von der Pfeife abgesprengt, in einem eigenenOefn mit sehr großem Arbeitsloch (Auslaufofcn) aufge-wärmt und durch die Centrifugalkraft des schnellen Umdre-hens der horizontal gehaltenen Pfeife immer flacher und fla-cher, bis das Gefäß endlich in eine ebene große Scheibe von80 bis 60 Zoll Durchmesser ausgeglüht ist. Aus diesenrunden Scheiben schneidet man halbe Monde, Mittelstücke,viereckige, sechseckige Scheiben rc. Uebrigens hat das Mond-glas, weil cS der nachtheiligen Wirkung der Lager nicht aus-gesetzt ist, einen bei weitem schöneren Glanz, weniger Wellenund geringere Dicke, als Walzenglas.

Das Glas muß, sowohl in Hohlglas als in Tafelform,wenn es allen Anforderungen entsprechen soll, eine völliggleichartige Masse sein ; nicht geschmolzene erdige oder salzigeTheile machen das Glas sandig oder höckerig, eingeschlosseneLuft blasig; es darf weder rauchig, neblig oder wolkig sein,was eine Folge der Einmengung fein zertheilter fremderSubstanzen, ;. B. von phosphorsaurem Kalk, Jinnoxyd rc.ist. Wenn das Glas Wellen, Streifen oder Windungenhat, so erscheinen die durch dasselbe gesehenen Gegenstände

verzerrt. Ferner muß das Glas möglichst durchsichrig sein.Mit Potasche übersetztes Glas hat einen Stich ins Grün-liche, mit Soda oder Natron ins Bläul.che; sehr bleihal-tiges Glas hat einen düsteren Farbcton. Eisenoxyd machtdas Glas grün; eine Beimischung von Kohle gelb odergelbbraun.

Spiegel, ein so wichtiger Handelsartikel, warenschon im Alterthum gebräuchlich, aber aus Metallplalten.Die Glashütten in Sidon versuchten Spiegel aus einer un-durchsichtigen schwarzen Glasmasse, aber ohne Erfolg, her-zustellen. Spiegel aus bleibelcgten Glasplatten erwähntzuerst der Franziskaner Joh. Peekham 127!» in seinerSchrift l'erspcctiva communis. In Nürnberg waren im An-sang des 16. Jahrh, mit Blei auSgegossene Glaskugeln einbedeutender Handelsartikel, aber in demselben Jahrhundertwurden mit Zinnfolie belegte geblasene Glastafeln in Belie-big gemacht, und diese Kunst ging 1668 von hier nacb Frank-reich über, wo sie durch Abraham Thevart's Erfindung des 'Spiegelguffes im Jahr 1688 zu ihrer jetzigen Vollkommen-heit gedieh. Seien nun die Spiegelgläser geblenen odergegossen, so hängt ihre Brauchbarkeit zunächst von derReinheit der Glasmasse von Blasen, Knoten rc., und voneiner durchaus gleichmäßigen Ebenheit der Oberfläche ab.Ist die Tafel wellenförmig, so wirft sie ein verzerrtes Bildzurück, vermöge der ungleichmäßigen Brechung der Licht-strahlen. Eine berühmte Spiegelfabrik ist in St.-Gobin inFrankreich; beträchtlich ist auch die Spiegelfaörikation inBaiern, Böhmen und Rußland. Der deutsche Zollverein liefertnur Spiegel bis zu der Größe von288Quadratzoll und führtdavon aus; die größeren Spiegelgläser, in den Sorten von288 bis 376 QZ., von 376 bis 1060 QZ., von 1000 bis1400 QI., von 1400 bis und bis über 1900 LZ., bezichter dagegen von dem Auslande, ohngeachtet des hohenZolles.

Das Gießen der Spiegcltafeln ist sehr schwierig underfordert große Vorsicht sowohl beim Guß selbst, als auchbei dem nachhcrigen Schleifen. Der Guß muß in wenigenMinuten geschehen, darauf muß die noch weiche Glastafelmit der größten Borsicht in den Kühlofen gebracht werden,worin sie 8 bis 14 Tage bleibt. Nachdem sie wieder heraus-genommen ist, suchen die Hüttenglaser, so weit dies bei derunvollkommenen Durchsichtigkeit möglich ist, die fehlerhaftenTafeln aus, um ihre Unreinheiten durch Zerschneiden inkleinere Tafeln zu beseitigen oder an den Rand zu bringen.Darauf werden sie geschliffen und polirt, das sehr viel Zeitund Mühe fordert. Die Glasplatten werden dadurch um>/z bis >/2 schwächer. Dann erst geschieht das Belegen mitZinnfolie (Staniol) und Quecksilber, wozu bei größerenSpiegeln immer 3 bis 4 Wochen nöthig sind. Wegen derQuccksilberdämpfe ist bei dieser Arbeit die Gesundheit derArbeiter sehr gefährdet. Oft zerbrechen auch die Glasplat-ten unter dem Druck der Gewichte. So können die großengeschliffenen Spiegel nur ein Gegenstand des Luxus sein,dessen Werth von der gelungenen Vollendung des Stücksabhängt.

Man unterscheidet in der Fabrikation und im Handel:1) Hohlglas, d. h. im allgemeinen alle Gefäße aus Glas,ausgenommen nach dem herrschenden Gebrauch das Kry-stallglas. Vom Hvhlglas wird nach der verschiedenen Mi-