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Zweiter Band. H - Z.
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Leder

Leder

lieferung für das französische Heer hatte, im Jahr 1792.Nach dieser Methode errichtetem England zucrstDesmondeine Gerberei. Die in 2 Hälften getheilten und ausgespann-ten Häute werden mit Schwefelsäure (1 Theil concentrirterSäure auf 1300 Th. Wasser, und später 1 Th. Säure auf1000 Th. Wasser) geschwellt, welcher Prozeß in 48 Stundenvollendet ist; darauf werden Lohbrühen, die man sich in ter-rassenförmig über einander gestellten Kübeln bereitet, vonverschiedener Conccntration gefertigt, die Lohe so lange aus-gelaugt, bis das Wasser nichts mehr davon auszieht. DieHäute werden zuerst in die schwächste, dann nach und nachin stärkere Brühen gehangen, wobei dafür gesorgt werdenmuß, daß die Brühen nicht säuren, indem sie dadurch dieGerbekraft verlieren. Während dieser Behandlung in derLohbrühe müssen die Häute häufig mit Stöcken durcharbeitetwerden. Dünne Häute werden nicht geschwellt. Bei Kalb-und Ziegenfcllen tritt die Gahre in 8 bis 10, bei dünnenKuh- und Roßhäuten in 14 bis 2t Lagen, bei starken Och-scnhäuten in 4 Wochen ein. Die nach dieser Methode ge-gerbten Leder fand man übrigens nicht selten spröde und kei-neswegs durch und durch lohgar, was man der Anwendungder stark cvncentrirtcn Lohbrühen zuschreibt.

In Amerika hat man die Schnellgerberei mit einigenVeränderungen in Anwendung gebracht. Nach der Methodedes Gerbers Luther, die im Jahr 1819 bekannt und durchL. Gall in dem Werk: Die Schnellgerberei in Nord-amerika, mit Kupfer, Trier 1824 beschrieben wurde, werdendie Häute ausgebreitet, gewässert, in Rahmen ausgespannt,auf der Fleischseite mit Holzessig bestricken und 24 Stundenlang in einer durch Dampfröhren geheizten Grube bei 30bis 33»R. zum Schwitzen gebracht und noch warm enthaart.Kleine Häute läßt man nicht schwitzen, sondern hängt sie inaufgewärmtes Kalkwasser ein und enthaart sie dann nochwarm; nur die schwersten Wildhäute werden in einer Ge-treidemaische, die bis 300 xrwärmt ist, angeschwellt; zuletztsetzt man gebrauchte Lohbrühe hinzu. Das Gerben geschiehtin Gruben, die durch bleierne Dampfröhrcn stets auf 30°Wärme erhalten werden; zuerst wendet man eine schwache,dann eine stärkere Lohbrühe an. Nach diesem Verfahrensoll eine Ochsenhaut, von der man Bein- und Kopfstücke undBauchlappen abgeschnitten hat, die besonders gegerbt wer-den, in 45 Tagen lohgar sein; wenn die Haut trocken 17 Pfd.wog, so wiegt sie nach dem Gerben, wobei sie den Gerbstoffaus 120 Pfd. Lohe aufnahm, 33 Pfd. Hiernach sind also zu1 Pfd. trockner Haut mehr als 7 Pfd. Lohe erforderlich. DieVortheile dieser Methode sind: Ersparniß an Geld, Zeit,Raum und Lohn, ununterbrochene Arbeit, ohne Rücksichtauf die Jahreszeit, größere Gewichtszunahme der Haut undDarstellung eines, auf beiden Seiten gleich schön hellgelben,lückenlosen Leders. Der Lohauszug wird auf verschiedene^oise bereitet, durch heißes Wasser, durch Dampf oder durch^ hydraulische Presse.

Außer den angeführten Methoden sind noch mehrere an-namentlich von Engländern, vorgeschlagen und zumTheil auch angewendet worden, die sich aber nicht sehr be-währt haben. Vgl. Schubarth's techn. Chcm. »l. Bd.S. 836.

Eine besondere Art von lohgarem Leder ist der Just en

(s. diesen Art.), und ein anderer Zweig der Lohgerberei dieFabrikation des Saffians oder Maroquins (s. d. Art.Saffian).

2) Die Weißgerberei, franz. Kezisserio; englischImving, umfaßt denjenigen Gerbcprozeß, bei welchem anstattder Lohe eine Auflösung von Alaun und Kochsalz angewandtwird. Sie macht Kalb -, Schaf-, Lamm - und Aiegenfclle,so wie auch leichte Ochsen-, Kuh- und Roßhäute weißgar,und liefert das Material für Handschuhmacher, Bcutlcr,Riemer, Sattler, u) Bei dergemcine n Weißgcrberei istdie erste Behandlung wieder übereinstimmend mit der beimGerben der Kalbfelle. Nach dem Einweichen und Wässer»,dem Schaben und Ausstreichen, dem Kalke» und Enthaaren,dem Treiben oder Schwellen in dem Kalkäscher, dem Ver-gleichen, d. i. Wegnehmen der Ohre», Zipfel, des Schwanzesund anderer unnützer Theile, dem Reinigen mit Streicheisen,dem Walken oder Stoße» in milchwarmem Wasser und demSpühlen, folgt das Durchweichen und Walken in der er-wärmten Kleienbeitzc (Schwcllbcitze, welches iin Wintcr3 Wochen, im Sommer 2 bis 3 Lage dauert) und dann daSGerben oder Weisigarmachcn. Dies geschieht auf folgendeArt: man macht eine A la u n b r ü h e (für 100 Stück Fellenimmt man 12 bis 18 Pfd. Alaun und 2>/, bis 3 Pfd.Salz, die in heißem Wasser aufgelöst werden). Die Fellewerden nun einzeln durch die warme Brühe gezogen und zu-letzt noch eine kurze Zeit lang in derselben liegen gelassen.Hierauf läßt man sie abtropfen, schlägt sie zusammen undläßt sie in einem Faß geschichtet 2 bis 3 Tage lang liegen,bis sie die Gahre haben; dann schlägt man sie auf und hängtsie auf Stangen zum Austrocknen. Nun folgt das Zurichte».Die getrockneten Leder werden angefeuchtet, gestollt, d. h.über einem halbrunden Eisen (Stollen) gereckt, ausgedehnt,die Falten ausgestrichcn. Man reibt auch wohl die Narben-seite mit Bimsstein oder feinem Sande, färbt dieselbe miteinem Gemcng von Kreide und Oker weiß, gelb, auch schwarz,b) Zu dem sogenannten Handschuh-, französischenoder erlangcr Lcder nimmt man Lamm- und Ziegensclle,die man, nachdem sie in der Alaunbrühe gegerbt sind, nochin einen Gerbebrci bringt, der dazu bestimmt ist, dem Ledereine größere Geschmeidigkeit, einen weichen, sanften Angriffzu ertheilen und die weiße Farbe zu erhöhe». Deshalb fügtman zur gebrauchten Alaunbrühe Weizenmehl, knetet dieseszu einem Teig und setzt dann Eigelb oder auch Milch, Eigelbund feines Olivenöl zu. In diesem Brei werden die Felledurchgearbeitet, 24 Stunden lang liegen gelassen, dann auf-geschlagen und getrocknet. Beim Zurichte» werden sie auchnoch geglänzt, was mit einem Glattstem oder einer Glas-kugel geschieht. Zuweilen erhalten die fertigen Felle auchnoch einen Ucberzug von Stärke und Traganth. Das ge-färbte Handschuhledcr wird unter dem Namen brüsselcrLeder verkauft, c) Beim Gerben der Schaffelle mitder Wolle darf man keinen Kalk anwenden. Nachdemdie Felle 3 bis 4 Tage lang in einer schon gebrauchtenSchwellbeitze gelegen haben, reinigt man sie von der Kleieund bringt sie in eine starke Alaunbrühe, bestreicht dieFleischseite mit dem vorhin angeführten Gerbebrei und läßtdann die Felle trocknen. Auf ähnliche Weise macht manauch Kuhhäute und Kalbfelle gar. — ,1) In den un-

garischen Weißgerbereien werden nicht blos Felle und

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