Band 
Zweiter Band. H - Z.
Seite
279
JPEG-Download
 

279

Messing

Messing

das Gemisch. Die Vorzüge der verschiedenen Gelbkupfer-arten vor dem reinen Kupfer bestehen außer der schönenvarbe darin, daß sie an der Lust dauerhaft sind, nicht so^>cht anlaufen oder Grünspan ansetzen, eine größere Härtehaben, leichter schmelzbar sind und deshalb sich besser zu^ußwaaren eignen; aber sie sind nicht so gute Wärmeleiterals Kupfer, auch in der Glühhitze so spröde, daß sie beikniem Hammerschlag springen, lassen sich daher auch nicht^mieden, sind dagegen in der Kälte nach geschehenem Aus-blühen sehr geschmeidig, und werden durch Hämmern härtera»d fast so elastisch wie Stahl. Wenn die Menge des Zinksüberhaupt nicht zu groß ist, so besitzen sie so viel Dehnbar-st, daß sie zu dünnem Blech und feinem Draht ausgear-beitet werden können. Tombak verarbeitet man da, wogroße Dehnbarkeit und eine röthere Farbe Haupterforder-a>sse sind, wie z. B. bei kleinen und feinen Arbeiten aus^lech und Draht, und bei Gegenständen, welche vergoldetwerden sollen, denn auf der rötheren Grundfarbe des Tom-baks erhält die Vergoldung eine größere Schönheit. DasMessing dagegen ist wegen seines größeren Gehalts an demsehr wohlfeilen Zink bedeutend billiger und eignet sich besserka Gußwaaren, so wie zu solchen Gegenständen, welche mehrHärte und Elastizität haben müssen, wie z. B. Stecknadeln,^fäße, Werkstücke in Maschinen (weil sie sich weniger erhitzenb-weniger leicht oxydircn)». dgl. Der gewöhnliche Zinkgehaltlb> Messing beträgt 27>/„ bis 38 Proc., also im Durchschnitt°bngefähr3ü Proc.; in schlechtem Gußmessing ist er aber oft^deutend größer. Das Uebrige ist Kupfer und eine geringe^"ge Zinn (etwa '/§ bis ^ Proc.) und Blei ('/zbis 3 Proc.).^htere beiden Metalle, die oft dadurch mit in die MischungvNrnie», weil man altes Messing oder Kupfer mit cin-^aielzt, an welchem Schnellloth befindlich ist, sind beim^aßmessing unschädlich, bei der Verarbeitung zu Draht und^bech abxx vermindern sie die Dehnbarkeit des Messings,as von den birminghamer Kupferfabrikanten viel ver-buchte und von ihnen Platin genannte Metall ist eine°3>rung von 8 Theilen Messing und 8 Theilen Zink. DasI^jisische Gewicht der Gelbkupferarten ist um so größer,^ Hehr Kupfer in der Mischung sich befindet. Beim eigent-'chen Messing schwankt es zwischen 7,82 und 8,81. DasArbeitete und dadurch natürlich dichter gewordene hat,Karmarsch Versuchen, nicht selten ein spezifisches Ge-'Ht von 8,82 bis 8,71. Die Messingfabrikation,^ b°r auch die Darstellung des Tombaks gehört, besteht in^ Zusammenschmelzen von Kupfer mit Zink. Letzteres^^be ehemals im orydirten Zustande alsGalmci, Ofen-geröstete Blende angewendet; jetzt verwendetes aber als rcgulinisches Metall. — Bereitung des^dssings mit Galmei, Ofenbruch oder geröste-y ^ Abende. Diese Materialien enthalten das Zink imH '"en Zustande, und es kommt daher darauf an, dies^^"blung dieses Oxyds in Metall und das Zusammen-tz^^lzen des letzteren mit Kupfer in einer Operation zul>en zerpocht deshalb die genannten Materia-

b«m ^ sie, unter Zusatz von Holzkohlenstaub, nebst>n Eingicßen in Wasser vorher granulirten Kupfer^honerne Tiegel, deren 7 bis 9 in einem Windofcn sM es-Kl aufgestellt sind. Man beschickt die Tie-

"Ut einem Gemenge aus 3 Theilen Kupfer, 8 Theilen

Galmei und 2 Th. Kohlenstaub. Das Schmelzen dauertohngefähr 12 Stunden; dann gießt man den Inhalt allerTiegel in einen einzigen größeren Tiegel, den Gießer, zu-sammen, leert diesen in eine erwärmte Sandgrube vor demOfen aus und zerschlägt das erstarrte, noch heiße Messing inStücke. Dieses Produkt wird Stück Messing, Roh-Messing, Arco genannt und mit Zusatz von altem Mes-sing oder Messingabfällen, Kupfer, Galmei und Kohlenstaubein zweites Mal geschmolzen, worauf man wieder den In-halt aller Tiegel in dem Gießer vereinigt, mit einem Eisen-stabe gut umrührt und endlich zwischen zwei großen, 3 Fußlangen, 3 Fuß breiten, 1 Fuß dicken, mit Thon und Kuh-mist überzogenen, vorher erwärmten und in geneigte» auf-gestellten Granitplattcn zu einer bis ^ Zoll dicken Plattegießt, deren Größe und Dicke durch eiserne, zwischen dieSteine gelegte Schienen bestimmt wird. Man hat vergeb-lich versucht, anstatt des theuern Granits gußeiserne Plat-ten anzuwenden. — Bei der Bereitung des Messingsmit metallischem Zink geht die Schmelzung schnellervon statten. Die Tiegel werden mit dem in gehörigem Ver-hältniß gemengten Kupfer und Zink in ziemlich großenStücken schichtenweise gefüllt und obenauf eine starke SchichtKohlenstaub gegeben. Bei diesem Verfahren bedarf es nureiner Schmelzung. Nach einem andere» Verfahren wirdzerschnittenes Kupferblech in das in einem Tiegel geschmol-zene Zink gethan und dabei die Hitze so lange gesteigert, bisder Rest des Kupfers eingebracht ist. Das dadurch entstan-dene Messing wird ausgegoffen, zerstückt und mit einemZusatz von Zink umgeschmolzen. Jede dieser beiden Schmel-zungen dauert 8 bis 9 Stunden. Nach den letzten gießtman das Metall zwischen zwei Granittafeln zu Platten, inder oben angegebenen Weise. Darauf folgt das Auswalzender Tafeln zu Blech (s. den Art. Blech Bd. I. S. 417).Das fertig gewalzte Blech (Latun) wird meist durch Beitzenmit Alaunmutterlauge und durch Abspülen mit reinem Was-ser gereinigt, oder auch blank geschabt. Sollen die rohenTafeln zum Drahtziehen verbraucht werden, so werden die-selben durch eine große Scheere oder durch Schneidewalzenin schmale Streifen zerschnitten und dann erst in den Draht-zug gebracht.

Die Anwendung des Messings zu einer Menge vonInstrumenten und Geräthen, als Leuchter, Mörser, Ringe,Knöpfe, Gewichte, Wagschaalcn, Saiten, Blasinstrumente,Glocken rc., ist bekannt. Preußen hat wichtige Messing-fabriken zu Stolberg bei Aachen (Stollberg) , Jserlohn(Grüne), Alten«, Lüdenscheid, Hegermühl bei Neustadt-Eberswalde rc. Im Jahr 1842 wurden 26243 Ctr. Roh-messing und Messingwaaren erzeugt, wovon ein großerTheil zur Ausfuhr kam. — In Oesterreich ist eine derbedeutendsten Messingfabrikcn die zu Frauenthal in Steyer-mark, welche zu Grätz eine Faktorei hat; noch wichtigeraber ist die Roßhornsche zu Oed in Unter-Oesterreich. Math.Roßhorn fabricirte (1791) zuerst gewalztes Messingblech inOesterreich. Ferner sind zu erwähnen die Fabriken zu Na-delburg bei Wiener-Neustadt, zu Ebenau im Saleburgi-schen, zu Achenrain in Lyrol, zu Telfs im Stubey-Lhal,zu Silberbach in Böhmen rc. — In Baiern zeichnen sichAugsburg, Kempten, Nürnberg und Fürth durch bedeu-tende Messingfabriken aus. Es werden dort auch Messing-