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Zweiter Band. H - Z.
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Nadeln

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Nadeln

zu Trauerputz rc. gebraucht werden; man nennt sie deshalbauch Trauernadeln.

Gewöhnliche Nadeln gehen in den Fabriken, bevor siezum Verkauf fertig sind, wohl durch 30 bis 40 und feineredurch 70 und mehr Hände.

Gute Stecknadeln müssen eine feine, glatte Spitze haben,damit sie nicht die Stoffe, zu deren Zusammenhalten sie be-stimmt sind, ausfasern und schadhaft machen; ihre Köpfemüssen ganz rund und ohne alle Rauhigkeiten sein; ihreSchäfte müssen glatt sein und die nöthige Steifheit haben.Die Nadeln zum Anspießen der Insekten (Schmetterlinge)erfordern äußerst dünne Schäfte und kleine Köpfe.

2) Die Haarnadeln, franz. Lpmzles a Iriser; engl.Hole pms, dlocli Pins; ital. korcelli, werden aus Eisendrahtvon der erforderlichen Stärke gemacht, den man auf demRichtholz richtet, dann zu der nöthigen Länge schrotet undhierauf an beiden Enden auf einem Sandstein zuspitzt. DieseEnden werden über eine Klammer gebogen und dann ge-bläuet, d. h. blau angelassen, oder sie werden geschwärzt,d. h. mit Leinöl bestricken in einer eisernen Pfanne abge-dampft. Auf ähnliche Weise schwärzt man auch die Trauer-nadeln.

3) Nähnadeln, franz. älxuilles, ^igmlles li coudee;engl. lVeeäles; ital. äglii da cueleo. In mehrfacher Bezie-hung hat die Fabrikation der Nähnadeln mit der der Steck-nadeln Ähnlichkeit, aber sie weicht dadurch ab, daß dieNähnadeln l) elastisch und deshalb aus Stahldraht odergehärtetem Eisendraht bestehen; 2) daß sie möglichst spitzund glatt sein müssen, was ein weit sorgfältigeres Schleifenund Zuspitzen und ein besonderes Polircn erfordert; 3) daßsie mit einem Oehr zum Einfädeln (Einziehen des Fadens),anstatt mit einem Kopf versehen sind. Nur zu den gerin-gern Sorten nimmt man Eisendraht, die besten englischenwerden aus Gußstahl gemacht. In Jserlohn und Alten«besteht das Uebereinkommen, daß ein Theil der Fabrikantennur Stahl- und ein anderer nur Eisendraht verarbeitendürfen.

Nachdem man den Draht calibrirt und probirt hat,wird derselbe gereinigt und feiner gezogen, dann in großeRinge abgehaspelt und zu 8 Zoll langen Stücken zerschnit-ten, hierauf zu Schäften zerschroten und gerichtet; alsdannwerden die Schäfte an beiden Enden auf Spitzringen vonSandstein spitz geschliffen.

Das Richten geschieht entweder wie bei'm Stecknadel-draht oder indem man die bereits zcrschrotenen Schäfte bün-delweise glüht und hin und herrollt. In größern Fabrikentreibt gewöhnlich ein Wasserrad die Schrotschcere, so wie dieSpitzringe. Da der Draht bei'm Schleifen sehr heiß wird,so hat der ArbeiterHandschuhe an, auch taucht erdieSchäfteöfters in kaltes Wasser. Jede Spitze wird 8 bis 6 mal ge-schliffen. Gegen das Zerspringen schützt eine starke eisernePlatte und gegen den gefährlichen Staub ein Glasschirm.Der Staub ist besonders deshalb so stark, da das Schleifentrocken geschehen muß. Sind die Schäfte gespitzt, so werdensie entzwei geschnitten (wozu meistens zwei Schnitte nöthigsind, da die Schäfte durch das Schleifen ungleich verkürztwerden) und dann den, meist außer der Fabrik arbeitenden,Werkmeistern zurBildung desOehrs übergeben. Die

Arbeiter, welche das Oehr bilden, haben mit jeder Nadel 7bis 8 verschiedene Operationen vorzunehmen. Erst werdendie Nadeln auf einem stählernen Ambos, in der Regel 10 zu-gleich, am dicken Ende zu beiden Seiten platt geschlagenund dann geglüht. Hierauf wird jede Nadel einzeln auf ei-nem kleinen Ambos auf beiden Seiten markirt, d. h. mit ei-nem spitzen stählernen Stift das Loch eingeschlagen, sodannauf einer bleiernen Unterlage durchgeschlagen, dann durchzwei Schläge nachgeformt; alsdann wird die kleine Rinneeingeteilt und endlich der Kopf noch mit einer Feile abge-rundet. Manche Oehre werden auch mit einem Drillbohrergebohrt. Gewisse Sorten sehr sorgfältig gearbeiteter Radelnwerden in den aachener und andern Fabriken mit einer ei-genthümlichen Einkerbung bezeichnet, welche sich unweit desOehrs befindet und der Gestalt eines P nicht unähnlich ist,deshalb nennt man diese V-grec-Nadeln, ^iguilles k 1'^ xrec.Man unterscheidet Nähnadeln mit langem und mit run-dem Oehr. Die letztere Sorte ist vorzüglicher, weil dieKanten des Oehrs nicht so scharf sind als bei der anderenSorte, die den Faden schnell bei dem Nähen durchreiben oderauch durchschneiden.

Ein geschickter Arbeiter kann (mit einem Kinde) trotzder Langwierigkeit der Verrichtung täglich doch 1800 bis2000 Nadeln löchern und bcfeilcn.

Die von den Werkmeistern zurückgekommenen Nadelnwerden nun in einem Sauerwasser gereinigt und gescheuert,dann gehärtet, indem man sie in flachen Eisenblechkästcnbis zuin Rothglühen erhitzt und in Wasser ablöscht, und a li-eber nachgelassen. Man thut nämlich eine Quantitätgehärteter Nadeln in eine große blecherne Trommel, fügt et-was Butter oder Schmalz hinzu, erhitzt unter drehenderBewegung die Trommel so lange, bis das Fett «braucht,wodurch die zu große Sprödigkcit verloren geht.

Damit die Nadeln die nöthige Politur erhalten, werdensie, der Länge nach neben einander parallel liegend, mitSand oder besser mit Schmirgel und Oel in abwechselndenLagen zu einem wurstähnlichen Pack zusammengerollt, festumbunden und dann auf einer Rolle, die der gewöhnlichenWäschrolle ganz ähnlich ist, hin - und hergerollt, worauf sttnach mehrstündiger Bearbeitung herausgenommen und mit-telst Kleien oder Sägespähncn gereinigt werden.

Die völlig polirtcn Nadeln werden einzeln mit cineiNleinenen Tuch abgewischt, wobei man die zerbrochenen aus-schießt. Dann werden sie alle parallel und zugleich so g^legt, daß Oehr neben Oehr sich befindet, was durch zwe>Operationen erreicht wird. Die parallele Lage erhält ma"durch Schütteln in einer Mulde, dann bringt man die N^dein auf einen Tisch, an welchem Kinder sich damit beschästtigen, sie in zwei Abtheilungen zu sortircn, je nachdem d>tSpitzen nach der linken oder rechten Seite liegen: so daß >"jeder Abtheilung alle Nadeln eine gleiche Lage haben.diesem Behuf werden 6 bis 12 Nadeln auf einmal von deinHaufen weggerollt und mit dem Zeigefinger der linken Ha»dniedergehalten, hierauf aber mit dem Zeigefinger der rechte"Hand, welcher in einer Kappe von Tuch steckt, leise an denEnden berührt. Die Stücke, deren Spitzen rechts sehe",bleiben in der Fingerkuppe stecken und können somit eben s"schnell als sicher von den anderen geschieden werden. D>?