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Zweiter Band. H - Z.
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Spartcrie — 620 — Spedition

sind Anstalten, worin die ärmeren Klassen der Bevölkerungihre Ersparnisse sicher niederlegen können, welche sich durchdie darauf vergüteten Zinsen, die am Ende jedes Jahres zumKapital geschlagen werden, allmälig zu beträchtlichernSummen vergrößern, und z. B. in Belgien und Rußlandzu einem Renten-Kapital gemacht werden können. DieGründung solcher Kassen geschieht unter der Aufsicht derObrigkeit und die Verwaltung ist in die Hände zuverlässigerIndividuen gegeben, welche sie ganz unentgeltlich überneh-men. Bei dem so nützlichen Zweck dieser Institute könnendieselben nicht, genug empfohlen werden. Die öffentlichenBanken nehmen kleine Kapitale gar nicht an und zahlenüberhaupt in der Regel keine Zinsen daraus; größere Be-träge aber zusammenzubringen ist der Arme entweder garnicht im Stande, oder er bedarf dazu eines so langen Zeit-raumes, daß er der gelegentlichen Versuchung, dieselben an-zugreifen, selten ganz entgeht. Da nun vor der Errichtungvon Sparkassen die Unbemittelten weder Gelegenheit hatten,das wenige Erübrigte mit Sicherheit anzulegen, noch einenaugenfälligen Gewinn davon voraussahen, so unterließensie großenteils alle Ersparnisse, oder vertrauten dieselben,durch die Aussicht eines hohen Jinscngenusses gereizt, leicht-sinnigen oder unsichern Leuten an, von welchen sie fast immerum das Ihrige betrogen wurden. Es ist einleuchtend, daßunter solchen Umständen nichts geeigneter und wichtigerwar, den arbeitenden Klaffen die Vorsorge für die Zukunftund eine heilsame Sparsamkeit einzuflößen, als die Errich-tung von Sparkassen, welche die kleinsten Summen anneh-men, mit vollkommener Sicherheit aufbewahren, sie wieobenerwähnt verzinsen, und, auf diese Weise vergrößert, denDepositaren zu jeder beliebigen Zeit auf Verlangen zurück-zahlen. In der neuern Zeit sind fast in allen größcrnStädten, und in der neuesten Zeit namentlich in Sachsenauch in den kleineren, so wie in Böhmen und Schlesien auchauf großen Gütern für die Insassen unter verschiedenen Be-stimmungen solche Kassen in's Leben gerufen worden. Auchhaben sie hie u. da Fabrikherrn für ihre Arbeiter, z.B. Borsigin Berlin rc. eingerichtet, die ein großes Bedürfniß sind undsich bald als eine Wohlthat ausweisen. Die den Sparkassenübergebencn Gelder werden zu nutzcnbringenden Unterneh-mungen verwandt, so daß durch den llcbcrschuß des Gewinnsgegen die zu zahlenden Interessen immer ein kleiner Reserve-fonds besteht.

Sparterie, werde» im Handel die aus dem spanischenPfrieme »grase gearbeiteten Gegenstände, Matten, Ma-tratzen, Schuhe, Seile ic., genannt.

Specrcsdukatcu , eine frühere dänische Goldmünze.

SpecicSmark, eine frühere dänische Silbermünze,der sechste Theil des alten Neichsthalcrs.

Spccicsthalcr, Species. Man versteht darunterin Deutschland im allgemeinen das Zwciguiden - Stückund hat ihn nach zwei verschiedenen Münzfüßen ausgeprägt:1) Nachdem leipziger oder I8-Guldcnfuß, worin !>Stückeine köln. Mark sein Silber ausmache», und sein Werth 1Thlr. 16 Sgr. 8 Pf. preuß. -- 1 Thlr. I I Gr. 6-/, Pf.Eonv.-Münze ist; 2) späterhin und nach Abschluß derMünz-Convention nach dem Conventions- oder 20-Guldenfufi, worin 10 Stück eine köln. Mark fei» Silber be-

tragen und sein Werth 1 Thlr. 12 Sgr. — Pf. preuß. -- tThlr. 8 Gr. — Conv.-Münze ist. Nach letztcrm Fuß wurdeer im Königreich Sachsen gemünzt. Er hieß auch Con-ventionsthaler, Conventions-Species.— In ,den schweizer Kantons St.-Gallen und Zürich sind inder letzten Hälfte des vorigen Jahrhunderts ebenfalls Spe-ciesthaler ausgeprägt worden, die aber etwas geringer sind,als die gesetzmäßigen deutschen Conventionsthalcr. — I»Dänemark wurde srüherhin eine größere Silbcrmünzegeprägt, welche Speciesthaler oder Species-Reich schaler hieß, und worüber wir das Nähere unterdem Artikel Dänemark nachzulesen bitten. — InSchwede» und Norwegen bildet derSpecieslhaleroder Reichsthaler Species (kilcsäaler Species) dieEinheit der Rcchnungsmünzen und ist die größte der ausge-prägten Silbermünzen. — Auch in Polen wurden früherSpeciesthaler oder Rcichsthaler zu 8 polnischenGulden geprägt.

Spedition, Speditör. ES ist dem Verkäufer einerWaare häufig nicht möglich, dieselbe dem entfernten Em-pfänger selbst aus Mangel an Gelegenheit, oder unmittelbardurch einen und denselben Frachtfahrer zugehen zu lassen:entweder weil die Wohnorte beider so weit von einanderentfernt sind, daß keine direkte Frachtverbindung zwischenihnen stattfindet, oder weil ihr gegenseitiger Verkehr nicht so

bedeutend ist, daß eine regelmäßige Frachtfahrt lohnend wäre,

und man also für einzelne Waarenballen keinen Uebcrnch-mer findet. Für solche Fälle wird eine Mittelsperson nöthig, >die an einem, zwischen dem Abscndungs- und dem Bestim-mungsort gelegenen Platz wohnt, nach welchem Fahrgelegen-heiten weniger mangeln, eine Person, welche jene Waareübernimmt und durch einen andern Frachtfahrer dem bezeich-neten Empfänger zusendet. Diese Hülfsperson wird derSpeditör, Speditor oder Spedirer, französischLxpcäitonr; engl. Oispatcbc-r; holländ. Spositeur; italienischSpcilieionorc, Spcäiloro, und dessen Geschäft die Spedi-tiv n, franz. Lxpöäüion, engl. vispatcliinx, holl. kixpoäilio,ital. Spoilirionc, genannt. Der von einige» gebrauchte Aus-druck SpeditionS-Handlung, SpeditionS-Han-

del für Speditions-Gcschäft ist sehr unrichtig, da ma»nicht mit Speditionen handelt. — Anfänglich wurden dieSpeditionen, wie es zum Theil auch noch der Fall ist, vonWaarenhandlungen und Bankicren als Nebcngeschäft voll-zogen ; je verwickelter aber mit der Zeit insbesondere dieZoll-Verhältnisse der einzelnen Staaten, oder das Ineinan-dergreifen der Fuhrgclegenhciten, theils durch die Eisenbah-nen, theils durch die Dampfschifffahrt, oder zur See und znLande wurden, um so mehr Schwierigkeiten demnach alleVersendungen in's Ausland mit sich brachten, desto wehesonderte sich allmälig das Speditionsgeschäft vom übrige"kaufmännischen Geschäftsbetrieb ab, und wurde zuletzt größ- !tentheils ein unabhängiger und für sich allein bestehenderHülfszwcig des Handels. — Das Verfahren mit der em-pfangenen Waare in Beziehung auf ihre Behandlung undWeiterbeförderung wird dem Speditör zunächst durch de"Frachtbrief und durch die desfallsige Anzeige von Seiten desAbsenders, den sogenannten Avisbrief, Avis, vorge- ^

schrieben. Seine natürliche Verpflichtung aber ist es, d>e !

einzelnen an ihn adressirten Gegenstände nach Menge, Zei-