Band 
Zweiter Band. H - Z.
Seite
663
JPEG-Download
 

663

Tara

Tapeten

wußten, fo lange die Fabrikation des Papiers ohne Endenoch unbekannt war, die einzelnen, sehr genau rechtwinkligbeschnittenen Papierbogen zusammengeklebt werden, ehe diefarbigen Muster aufgetragen werden konnten. Diese Musterwurden ursprünglich mittelst Schablone» aus Kartenpappeaufgetragen, weshalb die Arbeit sehr viel Zeit erforderte,wodurch das Fabrikat sehr theuer wurde und auch die Ta-peten nicht die möglichste Vollkommenheit erhielten. In-dessen ward bald das Verfahren der Kattundruckerei ange-wendet und die Farben mit geschnittenen hölzernen Formenaufgetragen; später aber auch der Walzcndruck eingeführt.Ueberhaupt sind die Kattun- und Tapetendruckerei im mecha-nischen Verfahren sich gleich, nur mit dem Unterschied, daßin der Kattundruckerei die Farben ohne eigentliches Binde-mittel, meistens durch chemische Einwirkung der Beizen aufZeuge während des Auftragens, dagegen in der Lapeten-druckerei die Farben als wirkliche Malerfarben mittelst einesBindemittels auf dem Papier befestigt werden. Die soge-nannte Grundfarbe der Tapeten wird durch Bürsten auf dieausgebreiteten Papierstreifen aufgetragen. Sind die Tape-ten dann im geheizten Arbeitsraum auf Gerüsten getrocknet,so werden die feineren gewöhnlich noch geglättet und satinirt,ehe sie bedruckt werden.

Ein besonderer Zweig des Lapetendrucks ist die Dar-stellung der sogenannten velutirten Tapeten. DieEigenthümlichkeit derselben besteht darin, daß ihre Ober-fläche tuchartig oder vielmehr sammtartig ist. Dieselbewird durch Auftragen der kurzen feinen Wollfasern, welchebei'm Schceren der Tuche abfallen, hergestellt. Eben sogiebt es vergoldete Tapeten. In den Handel werden diePapiertapeten zusammengerollt gebracht. Der Preis richtetsich nach den Mustern und Farben. Die Breite beträgt ohn-gefähr 1 Elle. Da jetzt das Papier ohne Ende dazu genom-men wird, so giebt man sie stückweise, und einige Sortenauch wohl ellenweis. Man unterscheidet die Sorten theilsnach der Grundfarbe, theils nach dieser und der Farbe desMusters, theils in einfache Tapeten (stanz, Papierspoinls, p. Mals, p. communs), nach der Art der Muster; insatinirte Tapeten (stanz, papiers satim-s), mit theil-weis oder ganz glänzenden Mustern; in Iris-Tapeten,mit allmälig in einander verlaufenden Farbenstreifen; invelutirte, Staub- oder Sammt-Tapeten (stanz.Papiers velonte's, p. souklles, lontisses); in vergoldeteoder versilberte; in Dccorations-Tapcten mitLandschaftsscenen, Arabesken rc.; in gepreßte Tapeten;und in Bordüren oder Kanten, die nur schmal, aber'doch von verschiedener Breite sind.

Die Fabrikation der Papiertapeten zeichnet sich inFrankreich durch geschmackvolle Muster aus, und wird hier>n mehr als 100 Fabriken betrieben, weil die Ausfuhr sehrbeträchtlich ist. Sie blüht besonders zu Paris, Straßburg,Lyon, Marseille, Metz, Rstheim bei Mühlhausen rc. Uebri-gens liefert auch Deutschland jetzt aus verschiedenen Fabri-ken, in Darmstadt, Aachen, Mainz, Stuttgart, Hannover rc.vorzügliche Waare, die der französ. nicht nachsteht.

Die sogenannten Niederländer Tapeten sind dieGobelins, eine Art Teppiche, wie die kostbaren Savon-neric- dder türkischen, oder Hautelisse-Tapeten;s- den Art. Teppiche.

1k«K»Iove», s. d. Art. Manioc.

Tappanuli, ein Ort in einer vorzüglich schönen undwindsicheren Bai auf der Westküste der Insel Sumatra, derHandel treibt. Es wird hier nach spanischen Piastern zu24 Fanams oder 4000Kepping gerechnet. Die Eingebornenbringen in ihren Tauschhandel Benzoe-Kuchen, Salz, Mes-sing in Draht oder Körnern, Büffelhäute rc. Das Salzmaaßheißt Salup, ohngefähr 907 Gramm schwer.

Tara, Thara, stanz. 7are; engt. lärc; holt. larra;ital. 1Ara, heißt die äußere Umhüllung einer Waare, mitwelcher diese behufs ihrer Versendung und Aufbewahrungumkleidet ist, die nach den verschiedenen Verpackungsartender einzelne» Artikel sehr verschieden ist, Und in Fässern,Kisten, Säcken, Matten, Körben, Flaschen rc. besteht.Nächstdem wird das Gewicht dieser Hülle, die desfallsigeVergütung, Tara genannt. In diesem letzter» Sinn zer-fällt die Tara in drei Hauptarten: 1) die wirkliche oderreineTara, worunter das wahre Gewicht der Umhüllung,wie es sich durch das Abwägen derselben ergeben hat, ver-standen wird; 2) die angenommene Tara, welchenicht durch wirkliche Abwägung gefunden worden ist, sondern,nach einer auf die Erfahrung gestützten Norm, bei gewissenWaaren unveränderlich angenommen wird; 3) die Taranach Uebereinkunft, welche ebenfalls nicht das Resul-tat einer Wägung ist, sondern über welche Verkäufer undKäufer einer Waarenpartie sich im voraus geeinigt haben.

Die übliche Tara ist durch das Herkommen, und fastin allen größer» Handelsplätzen anders bestimmt, und wirdtheils nach Procenten, theils i» einer gewissen AnzahlPfunde rc. auf jedes einzelne Waarenstück (Eollo) ver-gütet; man s. die Hauptorte. Die Tara nach Ueber-einkunft wird meistens nachdem durchschnittlichenGewicht der Hülle angenommen, indem man von einerWaare einige einzelne Colli auswählt, ihre Tara ermittelt,und hiernach die Tara auf das ganze Quantum bestimmt;dann heißt die Tara auch Durchschnitts - Tara. Beieinigen Waaren wird für Lara gar nichts vergütet, theilsweil die Verpackung einen verhältnißmäßig höher» oderziemlich denselben Werth hat, als ein gleiches Gewicht derdarin enthaltenen Waare, theils weil es der Gebrauch ein-mal so bestimmt hat. Der Preis versteht sich dann für dasBrutto-Gewicht, und man nennt diese Gleichrecknungdes Tara- und Nettogewichts Retto-Tara. — Super-Tara, franz. 8ur-1aro; engl. 8uperiore; holl. 8uperlarra;ital. 8oprowra, lora corlcsia , ist eine besondere und außer-gewöhnliche Vergütung auf einige Artikel, welche außerder gewöhnlichen Tara vom Gewicht der Waare noch ab-gezogen wird; sie findet auch nur auf wenigen Handelsplä-tzen statt.

Durch den Abzug der Tara vom Brutto-Gewicht er-giebt sich das Retto - Gewicht der Waaren; s. den Art.Netto. — Tarircn, franz. larer; engl. Io tare; holl.lärron; ital. lärare, das Gewicht der Tara ausmitteln, dieVerpackung (Emballage rc.) einer Waare wägen.

Bei der zollamtlichen Abfertigung fremdländischerWaaren innerhalb des deutschen Zollvereins versteht manunter Tara das Gewicht der zur Verpackung von Waarenerforderlichen äußeren Umgebung. Bei solchen Waaren,