Vitriolöl
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Vitriolöl
concentrirten Zustand erforderlich ist. Hierdurch erlangt ereine schmutziggelbe Farbe. Die Kalcination geschieht in den,im Vitriolölbrennofen angelegten Kalcinirhöhlen, währendder Vitriolöldestillation, indem durch die Ziegelwände genugHitze aus dem Feuerraum in diese Höhlen übergeht. DieDcstillationsgefäße sind feuerfeste irdene Kolben, von denendie einen, mit einem Beschlag aus Lehm und Kolcothar ver-sehen, als Retorten, die andern als Vorlagen dienen; ersterewerden in einem Galeerenofen paarweise dem freie» Feuerausgesetzt.
Wenn die Kolben, jeder mit 11/2 bis 2 Pfund, kalcinir-tem Vitriol gefüllt und eingesetzt sind, so giebt man gelindesFeuer und destillirt zuerst wässerige Säure (Vitriolspiritus,Phlegma, franz. Lsprit äv Vitriol; cngl. Spielt os Vite.) über,welche gewöhnlich aber nicht aufgefangen wird. So wiesich weiße Nebel (die wasserfreie Schwefelsäure) zeigen,werden die Vorlagen angelegt, in denen etwas Regen-wasser vorgeschlagen ist, auf einen Brand gewöhnlich 2,auf 3 Brände 6 Loth (wenn man, ohne das Destillat weg-zunehmen, dreimal brennt), hierauf verklebt man die Fugenmit Kitt und verstärkt das Feuer allmälig, bis die Vorla-gen, welche anfänglich sehr heiß wurden, nach und »ach we-niger heiß werden, was ein Zeichen ist, daß die Destillationdes Vilriolöls aufgehört hat. Die Operation ist in 32 bis36 Stunden beendet. Die Kolben müssen in den letztcrn 6Stunden weiß glühen. Hierauf nimmt man die Lutirungund die Vorlagen ab. entleert die Kolben mittelst einer eiser-nen Kratze, wechselt die zersprungenen aus und beginnt den-selben Proceß von neuem. Man legt wieder dieselben Vorlagenvor, bis sie sich mit der dreifachen Säurcmenge gefüllt haben.Von dem kalcinirten Vitriol erhält man etwa 80 Proc.Vitriolöl. Als Rückstand bleibt eine rothbraune erdigeMasse, welche größtentheils aus Eisenoxyd besteht und un-ter dem Namen Kolcothar, Todten köpf (Laput nwr-Innm vürioli) oder Braunroth (s. dies. Art.) ebenfalls inden Handel gebracht wird. Das aus die eben angegebeneArt gewonnene Vitriolöl ist bräunlichgelb, oft von hinein-gefallencn organischen Körpern (Kork, Stroh, Holz unddergleichen) auch wohl braun, ölartig, dickflüssig, hat einspczif. Gewicht von 1,86 bis 1,92; einen stechenden Geruch»ach schwefliger Säure, raucht an der Luft, d. h. verbreitetweiße, dicke Dämpfe, die daher rühren, daß die im Vitriolölenthaltene wasserfreie Schwefelsäure sehr flüchtig ist, beijeder Temperatur farblose, unsichtbare Dämpfe bildet, welche,wenn sie mit der atmosphärischen Luft in Berührung kom-men, Wafferdampf anziehen, sich mit demselben vereinigenund eine Condcnsation erleiden. Gewöhnlich enthält dasVitriolöl etwas schwefelsaures Eisenoxyd, Kalk, kohligcTheile, nicht selten auch Selen, welches sich, als ein braun-rothes Pulver, am Boden der Krüge abscheidet. Die Ver-sendung geschieht entweder in großen, runden, gläsernenBallons, die man in Körbe verpackt und den Zwischenraummit Heu oder Stroh ausfüllt, oder in irdenen Krügen miteingeschraubten verkitteten Stöpseln.
Die sogenannte englische Schwefelsäure wird durchsVerbrennen des Schwefels mit Salpeter dargestellt. IhrBeiname rührt daher, daß man sie in England erfundenoder wenigstens zuerst !m Großen zubereitet hat. Ihre fa-brikmäßige Gewinnung begann erst nach der Erfindung der
Schwefelsäure-Kammern, die zuerst 1774 Roebuck in Bir-mingham aufstellte. Jetzt wird sie auch in allen andernLändern fabrizirt. Bis zum Jahr 1841, wo zwischen derRegierung von Sicilien und England ein Streit wegen desSchwefelverkaufs entstand, wurde die englische Schwefel-säure durch das Verbrennen von sicilischem Rohschwefel ohneweitere Reinigung erzeugt; seitdem stieg aber sein Preis sosehr, daß die englischen Fabrikanten gezwungen wurden,den viel billigeren Schwefelkies aus denKohlendistrikten undIrland zu benutzen, indem man denselben in 7 Fuß hohenSchachtöfen im fortwährenden Betriebe röstete, wobei derKies zu schwefeliger Säure verbrannte und basisch-schwefel-saures Eisenoxyd mit Gangart gemengt zurückließ. IhreDarstellung wird in Kammern vorgenommen, die im In-nern wasserdicht mitBlciplatten bekleidet sind und auf derenBoden man einige Zoll hoch Wasser gegossen hat. DenSchwefel verbrennt man entweder auf einer Platte inner-halb der Kammer selbst, oder in einem darunter gestelltenOfen, dessen Schornstein in die Kammer führt. Gewöhn-lich vermischt man den Schwefel mit >/,? bis >/9 grob gesto-ßenem salpetcrsauren Kali (Salpeter), welches beim Ver-brennen Sauerstoffgas entwickelt, das die durch den ver-brennenden Schwefel entstehende schweflige Säure in Schwe-felsäure verwandelt. Diese verdichtet sich sogleich zu kleinenTropfen, welche in das Wasser auf den Boden der Blei-kammer fallen, das davon sauer wird. Man setzt die Ope-ration nicht eher wieder fort, als bis man frische Luft in dieKammer gelassen hat. In Kammern, die mit Luftzugversehen sind, kann man das Verbrennen fortwährend unter-halten. Es befindet sich in diesem Fall neben oder unterder Kammer ein Ofen, über welchem auf einer eisernenPlatte fortwährend ein Gemenge von 100 Th. Schwefelund 10 bis 12 Th. Salpeter abgebrannt wird. Die durchsVerbrennen erzeugten Gusarten treten'durch einen kurzenKanal in die Kammern, an deren Ende ein Schornstein be-findlich ist, durch welchen das Stickgas der zersetzten Lustentweicht. Aus einem kleinen Dampfkessel zur Seite derKammer strömt ferner in diese beständig Wafferdampf.Um den Verlust an nicht cvndensirten sauren Dämpfen durchden Schornstein zu vermeiden, sind über diesem mehrerekleine Kammern angebracht, in welche gleichfalls fortwäh-rend Wafferdampf strömt, um diese Dämpfe zu absorbiren.Den Boden der Kammer versieht man mit schwacher Säure,da die Anwendung von bloßem Wasser nicht so gut ist. Ausder Platte des Ofens bleibt saures schwefelsaures Kali zu-rück, welches noch bei der Alaunfabrikation benutzt wird.Nach dieser letzter» Methode erhält man mehr Schwefelsäureals nach der vorigen. — Die Entstehung der Schwefelsäurenach den beiden lctztern Methoden kann man auf folgendeWeise erklären: durchs Verbrennen des Schwefels im Ge-menge mit Salpeter wird letzterer zersetzt, es erzeugen sichschwefelsaures und Salpeter-Gas, die in die Kammer strö-men; so wie diese Gasarten in den mit atmosphärischerLuft und Wasserdampf gefüllten Raum treten, nimmtdas Salpetergas aus der Lust Sauerstoffgas auf und ver-wandelt sich in salpctrigsauren Dampf, welcher, der schwef-ligen Säure Sauerstoffgas abtretend, wodurch diese z»Schwefelsäure wird, wieder in Salpetergas übergeht, st^>aber sogleich wieder zu salpetriger Säure oxydirt rc. Dieser