<5
gen. Daher kommt es, setzt Galenus hunz.u, daß man dieschönen Wissenschaften und die Philosophie, dabist, eine gelehrteAuferziehung, dem Arzte höchst unnütz glaubt , und daß nichtnur die schlechteste» Leute ihre Handwerke verlassen, und indie Classe der Aerzte sich wagen, sondern daß solche, die denSalbenhändlern, oder, wie man in unsern Zeiten sagen würde,den Apothekern, ihre Mixturen zugerüstet, sogar dreist genugsind, den Namen der Aerzte sich anzumaßen, und mit wah-ren Aerzten um den Vorzug streiten. Plinius hat sehrwohl gesehen, daß jeder schlechte Kerl nur sagen darf, er seyein Arzt, wenn er will, daß man es glaube.
Diese längst eingerissene Denkungsart ist eine Folge derhandwerksmäßigen Begriffe, die man in allen Zeiten von derArzeneykunst sich gemacht. Ich habe in einer sehr gebilde-teil Stadt von dem angesehensten Arzte daselbst rühmen ge-hört, er sey so biegsam als ein Kammerdiener. Dieser Bieg-samkeit ist freylich ein Arzt unfähig, der edel von seiner Kunst,edel von sich selbst, und edel von den. Kranke» und den Um-stehenden denkt. Darum ist er verachtet, darum sucht er nichtin dem hinfällige» Beyfall der Kranken seinen Ruhm, unddarum wird die Aufnahme der Arzeneykunst gehindert, wennsich diejenigen Aerzte derselben am wenigsten annehmen, durchderen Genie sie am meisten gewinnen würde.
Dieses Uebel ist besonders in England gemein, wo diegrößten Aerzte oft viel lieber ihre Ruhestunden auf die schönenWissenschaften, auf die Philosophie und auf die Mathematikverwenden, als auf Schriften, durch welche sie die Aufnahmeder Arzeneykunst befördern könnten. Bacon sagt, bey deinBette des Kranken siegt sehr oft der Betrüger, und das Verdienst,wird geschändet; denn der Pöbel hat in allen Zeiten jedesalte Weib und jeden Charlatan als geborne Nebenbuhler derbesten Aerzte betrachtet, und sie würdig gehalten, mit ihnenum den Vorzug bey dem Bette des Kranken zu streiten. Da-her ist es, nach Barons unverwerflichem Urtheil, gekommen,daß diese Aerzte zu sich selbst mit Salomo gesagt: geht esmir wie eS den Narren geht, warum sollte ich mich bemühen