41
kämpfen zu dürfen ich so freudig mich gesehnet! — für den ge-kämpft zu haben ich immer stolz bin.
Am 31. Mai hatte ich die Ehre, Seiner Majestät vorge-stellt zu werden. Der König empfing mich mit der Huld undLeutseligkeit, die einen Hauptzug seines Characters bilden, unddie, da sie die Verehrung seines Volkes ihm erworben, dochgegen den Verrath Derer ihn nicht sichern konnte, die mehr alsAlle seiner Gnade sich erfreut. Er ist klein, regelmäßig und jkräftig gebaut, das Gesicht trägt den Stempel hoher Güte, dasgraue Auge verräth tiefes Gefühl, aber auch viele Sorgen, viel-leicht Schmerzen; ein starker blonder Bart bedeckte den Mund.Die Stimme des Königs ist sanft und voll Melodie, er unter-hielt sich mit mir in französischer Sprache, wie er gern mitallen Fremden es that, wenn sie selbst des Spanischen kundigwaren. Er trug einfache Civil-Kleidung.
Es ist viel über den Privat-Character Carls V. wie überseine Eigenschaften als Herrscher gefabelt worden, und die öffent-lichen Blätter aller Länder haben manches ganz Unwahre oderdoch Entstellte über ihn im Publicum verbreitet. Wer hätteauch Anderes erwarten mögen, wenn er die Quellen berücksich-tigte, aus denen die Mehrzahl solcher Urtheiler ihre Ansichtensich bildete: die Zeitungen und Flugschriften des liberalen Spa-niens oder die Schriften von Männern, welche bittern Haß demFürsten weiheten, der im Nachbarstaate muthig der Verbreitungihrer Grundsätze zu widerstehen wagte. Da ich überzeugt bin,daß die Wahrheit am vollständigsten die Verlaumdungen wider-legt, die gegen den Monarchen, für den ich mein Schwerdt zie-hen durfte, von allen Seiten erhoben sind, stehe ich nicht an,meine Meinung, wie ich auf eigene und solcher Männer Be-obachtung sie gründete, die lange Jahre den Jnfanten und den