68
eines Felsen oder Busches Hingestreckten unbemerkt ließen! Wohldarf ich sagen, daß ich nie später, nie früher solches Gemisch,so raschen, erstarrenden Wechsel der Hoffnung und des Schreckens,der Anspannung aller geistigen und körperlichen Fähigkeiten undplötzlicher Erschlaffung empfand, die doch wieder dem Drängedes Wollens weichen mußte; dazu der Schmerz, stets wachsend,und die Lähmung der Wunde, die, wiewohl leicht, durch die ent-setzliche Anstrengung in jedem Augenblick empfindlicher wurde.—Hoffnungslos wollte ich den Versuch machen, mit Gewalt dieKette zu durchbrechen. Einer der Posten rief mich an, da eineenglische Patrouille dicht hinter mir erschien: ich ward umringtund fortgeführt, von Neuem ein Gefangener.
Der Sergeant, mit dem ich einige Worte gewechselt, ge-leitete mich zu der großen Schanze über Passages. Da er dortseinen Bericht abgestattet, erhob sich dumpfes Gemurmel: »übetbo 8p^!« unter den Leuten, der dort commandirendeMarine-Officier aber befahl kalt dem Sergeanten: »givs bim to tbospsmarcks to sboot bim«; mit gleich kalter Verbeugung wandteich mich, dem Sergeanten zu folgen. Doch der erklärte, daß ichenglisch spreche, was Allem eine andere Wendung gab. Nachdemich eine Viertelstunde mit dem Officier mich unterhalten, wobeiich, da nach spanischem Gesetz der entflohene Gefangene Todes-strafe hat, als zufällig nach dem Gefechte zu weit vorwärts ge-gangen und verirrt mich angab, ging ich Arm in Arm mit ihmnach Passages hinunter, wo wir mit einigen andern Engländernmehrere Flaschen leeren mußten. Dann fuhren wir auf einemkleinen Boote nach Sän Sebastian und blieben während derNacht auf dem Dampfschiffe Jsabel, dessen Bemannung ganzaus Engländern bestand. Nachdem wir trotz der mir offen aus-gesprochenen Ansicht Aller, daß ich am andern Tage würde er-schossen werden, bis lange nach Mitternacht gescherzt und ge-