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zu müssen glaubte, was wiederum auf die Artigkeit des Kerker-meisters wohlthätig wirkte; so lange ich nämlich Lust hatte, seineGefälligkeiten, sein Bett und die Speisen seiner Küche zehnfachzu bezahlen. Da ich jedoch nach kurzer Zeit in Rücksicht aufmeinen traurig zusammenschrumpfenden Geldbeutel erklärte, daßich mit dem mich begnügen werde, was mir als Gefangenenausgesetzt sei, sah ich mich plötzlich auf Schwarzbrod reducirt,indem mir mürrisch erklärt wurde, das mir bestimmte Geld reichenicht hin, um irgend Etwas zu kaufen. Die Aussicht war trost-los; doch ward ihr nach ein Paar Tagen ein Ende gemacht,da ich, von einer Escorte von zwanzig Mann umgeben, Santan-der verließ und auf einem Esel die Straße nach Burgos ent-lang zog.
Bisher hatte ich geglaubt und geklagt, daß ich schlecht undallem Völker-wie Krieges - Rechte zuwider behandelt werde, dochsollte ich nun erkennen, wie relativ der Begriff des Guten undSchlechten ist und wie die Ideen unserer liberalen Gegner überEhre und Recht von denen der andern Europäer abwichen.Während des Tagemarsches durfte ich in der That nicht klagen,denn wenn der Ofsicier sich ganz gleichgültig zeigte, so thatendie Soldaten dagegen, was sie nur thun konnten, um das Hartemeiner Lage mir weniger fühlbar zu machen; die christinoschenSoldaten waren meistens nicht wegen individueller Meinung injenem Heere: durch Gewalt waren sie ausgehoben, Furcht, Ge-wohnheit, oft Gleichgültigkeit hielt sie fest. So bestand denndas Unangenehme nur in den Volkshaufen, die lärmend, oftdrohend, mir durch die Ortschaften folgten, und in den Diners,die ich von neugieriger Menge umringt, stets auf dem Markt-plätze halten mußte, oder in den Bemerkungen der Weiber.
So wie wir aber Abends im Nachtquartier anlangten, beganndas Elend. Irgend ein unterirdisches Loch ohne Fenster nochLuftzug, geschwärzt von Qualm und Rauch, stinkend und vollUngeziefer, der Landplage Spaniens, nahin mich auf, oder —