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Vier Jahre in Spanien : die Carlisten, ihre Erhebung, ihr Kampf und ihr Untergang. Skizzen und Erinnerungen aus dem Bürgerkriege / von A. von Goeben
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die eine Seitenwand trennte uns von dem Zimmer des wacht-habenden Dfficiers, die andere von der Wachstube. Eine Hoff-nung blieb uns: unter dem Kerker waren die Ställe der reiten-den Artillerie, deren Sergeantendie Sergeanten, oft Männervon Bildung und durch ihre Stellung den höchsten Einfluß ausdie Soldaten übend, spielten in den tausendfachen Aufständender christinoschen Armee stets eine große Rolle als unruhigund unzufrieden bekannt waren. Madinaveytia wußte Bekannt-schaft mit einigen derselben anzuknüpfen und bearbeitete sie mitdem ihm eigenen Talente so weit, daß sie aus seinen Plan ein-gingen, der darin bestand, durch die Ställe zu entkommen, aufden Pferden, mit denen die Artilleristen außerhalb der Stadtwarten würden, den Ebro zu passrren und mit den Carlistenuns zu vereinigen, worauf er nach Frankreich sich zurückziehenwollte. Manche hingeworfene Äußerungen machten mich glau-ben, daß die Sergeanten mehr als bloßes Übergehen zu denCarlisten bezweckten: sie wollten eine unabhängige Guerrilla bil-den, auf echte spanische Banditenart das Land ausplündernund dann mit ihrer Beute davongehen, wie es bei dem Zu-stande des Königreiches sehr leicht war und von vielen Erbärm-lichen ausgeführt wurde, welche sich nicht scheuten, den Namenvon Carlisten zum Deckmantel ihrer Schandthaten zu wachen,so in Vieler Augen ihn schändend.

Ehe der Plan der Flucht zur Reife gekommen, mußten dieArtilleristen abmarschiren, wodurch uns die Hoffnung auf end-liche Rettung ganz genommen wurde. So suchten rvir denn,die schwere Zeit so angenehm und nützlich wie möglich hinzu-bringen, und die Mittel dazu fehlten uns nicht. Die MutterMadinaveytia's, Dona Eukalia, war auf die Nachricht seinerArretirung von Madrid herbeigeeilt, den einzigen Sohn zupflegen; eine edle, tiesfühlende Frau, ganz Milde und Hingebung,beseelt von der innigsten aufopfernden Liebe für ihren Sohn,einer der herrlichen ganz weiblichen Charaktere, wie unter