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zuges gegen die Ruhe eines Hospitals oder die lockenden Freu-den des väterlichen Hauses zu vertauschen, und des hohen Prei-ses vergessend, der durch den Krieg errungen werden mußte, ge-wöhnten sie sich, nur als Übel ihn zu betrachten.
Und an diesen Gefühlen nahm bald auch der friedliche Be-wohner Theil. Wiewohl stets den Gesinnungen treu, die beidem Beginne des Aufstandes seinen Söhnen die Waffen in dieHände gab, empfand der Bauer doch zu schwer das Gewichtdes langjährigen Krieges, als daß er nicht das Ende desselbenmit Sehnsucht herbeiwünschen sollte; ja er hätte wohl, um nurFrieden zu erlangen, einen Theil der Ansprüche aufgegeben, fürdie er einst bereitwillig Alles opfern wollte. In der That wardie Lage der Bewohner des Kriegsschauplatzes verzweifelt. Nochhatte der Bauer die Erndte nicht eingesammelt, wenn schonübermäßige Forderungen an ihn gerichtet waren, die stets wie-derholt, bis er Alles hingegeben hatte, zu traurigstem Elendeihn verdammten, ihm oft selbst das für die nächste AussaatNöthige raubten. Das Vieh, sonst der Reichthum dieser Pro-vinzen, ward aufgezehrt, der Handel und die Contrebande, un-erschöpfliche Quellen ihres Wohlstandes, eristirten nicht mehr;der Ackerbau sank zusehends, da die Zahl des Viehes so geringwurde, und mehr noch aus Mangel an Arbeitern, der es dahinbrachte, daß allgemein die Mädchen und Frauen das Land be-stellten, da die Männer den Pflug mit dem Gewehre hattenvertauschen müssen. Zugleich wurden den Bauern Leinen undBetten für Hospitale und Casernen abgenommen und oft mit,leider unvermeidlicher, Härte eingetrieben, während sie selbst anFestungswerken zu arbeiten, mit ihren Maulthieren den Trup-pen zu folgen oder gar, bei Belagerungen in der Lranchee ar-beitend, ihr Leben auszusetzen genöthigt waren- So ist es nichtzu bewundern, wenn das Volk im Allgemeinen überdrüssigwurde und dem Kriege abgeneigt zu werden begann, der seitso langer Zeit es niederdrückte, ohne durch bedeutende Erfolge,