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Vier Jahre in Spanien : die Carlisten, ihre Erhebung, ihr Kampf und ihr Untergang. Skizzen und Erinnerungen aus dem Bürgerkriege / von A. von Goeben
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221
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Haltspunkten, die alles Nothwendige ihm liefern, benutzt die kür-zesten Linien und vermag mit geringer Anstrengung stets dieCarlisten im Auge zu behalten.

Von allen Seiten sieht das Erpeditions-Corps von Feindensich umgeben, die den passenden Augenblick erlauern, um über das-selbe herzufallen, und doch reichen seine Kräfte kaum hin, um ge-gen eine der Colonnen sich zu schlagen, die ihm entgegen operiren;unfähig mit Erfolg den Gegnern entgegen zu treten, ist es alsoverdammt, immer den Kampf zu vermeiden. Der Soldat ver-liert den Muth, er erschlafft, Desertion reißt ein, und die Krank-heiten als natürliche Folge der unvermeidlichen, nie endendenStrapatzen nehmen überhand. Bald nimmt die Disciplin ab,oft trennen sich kleine Schaaren von der Masse und sinken zuRaubgesindel herab; wer aber einzeln zurückbleibt, ist verloren,denn die Nationalen, welche vor dem Einrücken der Truppenentflohen, um auf den Seiten und im Rücken sie zu begleiten,kennen kein Erbarmen: wer ihnen in die Hände fällt, wird nie-dergemacht, krank oder gesund, wehrlos wie nach bravster Ver-theidigung. Dann wird es im Gebirge oft schwer, die nöthigenSubfistenz-Mittel herbeizuschaffen, und in den südlichen Provin-zen ist es unmöglich, stets die Ebene zu vermeiden; so wie dieFreiwilligen sie betreten, sehen sie die Kavallerie bereit, in sieeinzuhauen, diese brave, unendlich überlegene Kavallerie, die aufdem Fuße ihnen folgte, den Moment erwartend, der sie zurThätigkeit rief, und die, immer zu sehr gefürchtet, nun ihreganze Gewalt entwickelt und Schrecken und Tod in die Reihender geschwächten Bataillone trägt.

Und sollte es nun gelingen, eine der verfolgenden Colonnenvereinzelt zu überraschen und zu schlagen, Bahn sich zu brechen,sind da jene Schwierigkeiten und Gefahren überwunden? AnBenutzung des erfochtenen Sieges ist nicht zu denken, wennnicht etwa für augenblicklich ungestörte Fortsetzung des Marsches;denn kaum wird die Blutarbeit vollendet sein, wenn schon an-