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der Eolonne aus, Erstickung drohend, und umsonst schaute dasmatte Auge nach einem Tropfen Wasser umher. Noch schwachvom langen Krankenlager, dessen Wirkung durch die ihm fol-gende Einkerkerung keineswegs verwischt war, widerstand ichkaum; stumpf, zusammensinkend schleppte ich mich vorwärts undstürzte, so wie Halt gemacht wurde — jede Viertelstunde —nieder aus den Boden, unempfindlich für Alles im Gefühle desschrecklichen, tödtenden Durstes. Da bot ich Piaster, Gold, Al-les, was ich besaß, für ein Glas, für einen Trunk Wasser,selbst für einen Trunk Wein; und Jedermann drückte denSchlauch, der etwa noch einige Tropfen enthalten mochte, gierigängstlich an sich; da hatte auch das Gold seine Allmacht ver-loren. Und da wir endlich das Ziel des Tagemarsches erreichten,ward Übermaß so verderblich, wie die Entbehrung vorher. Wirergriffen mit unmäßiger Hast die dargebotenen Krüge, um in ei-nem Zuge sie zu leeren und wieder und wieder zum Füllen siehinzureichen; und immer dauerte unbefriedigt, unersättlich dieGier nach Wasser fort, so daß wir selbst trinkend mit Neid denGefährten trinken sahen. Bis dahin wußte ich nicht, wasDurst sei.
In Aranjuez, durch liebliche Gärten und ein schönes Schloßausgezeichnet, überschritten wir den Tajo, der dort noch weitvon der majestätischen Ausdehnung entfernt ist, in welcher erdem Meere seine Gewässer zuführt; dann rasteten wir in Ocana,wo die Franzosen die fast zwei Mal so starken Spanier in derfestesten Stellung gänzlich schlugen. Schon breiteten sich voruns die weiten Ebenen der Mancha aus, bekannt als DonQuixote's Vaterland. Ermüdet schweifte der Blick über einför-mige Sandflächen hin, die selten vom matten Grüne einesBaumes belebt wurden, Tagereisen lang ward keine Quelle, keinBrunnen sichtbar, in dem der Wanderer seinen Durst löschenkönnte, und viele Stunden weit liegen die elenden Dörfer voneinander entfernt. Die Bewohner der Mancha machen eben so