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ein weiter Meeresarm, in stolzer Breite sich aus, bedeckt mitzahllosen Fahrzeugen, die in jeder Größe und Gestalt, von demHandelsschiffe, welches reich mit Indiens Schätzen beladen nachMonate langer Fahrt von der fernen Manila heimkehrte, unddem alle Hindernisse im gleichmäßigen Fluge besiegenden Dampf-schiffe bis zum Fischernachen oder der anmuthigen Gondel, dietausendfachen Bedürfnisse der Sevillaner zu befriedigen bestimmtsind. Jenseit des Flusses erhob sich die Kuppel der pracht-vollen Kathedrale, kühn den Wolken zustrebend und von denSpaniern als Meisterwerk ihrer Architektur hoch geschätzt. Dieniederen Thürme der zahllosen Kirchen und Klöster umringtensie, mehr ihre Herrlichkeit hervorhebend, wie die Edlen denverehrten Herrscher, während die dichte Masse der Häuser, demtreuen Volke gleich, vertrauensvoll zu den Füßen der erhabe-nen Königinn ruhte, in deren Glanz und Größe sie ja sichselbst verherrlicht sieht.
Ein altes Kloster nahm uns aus, von Außen abschreckendin seinem grauen, düstern Braun; da wir aber den innern Hosbetraten, mit Orangen und Cyprefsen geschmückt, überraschtemich der Ausdruck der Eleganz und Pracht, die das Innerefast aller spanischen Klöster auszeichnen, den Reichthum ver-kündend, durch den sie den Haß des Volkes auf sich zogen. Inbitterer Mißstimmung brachte ich die kurze Zeit hin, welche wirin Sevilla's Mauern' zurückgehalten wurden. Konnte es anderssein, da ich verdammt war, die Hauptstädte der schönen Halb-insel zu betreten, die Gegenden zu durchwandern, deren Schil-derung so oft mein Interesse erregt und die lebhafte Sehnsucht,sie kennen zu lernen, in mir angefacht hatte; da ich nun ver-dammt war, sie nur zu durchwandern, ein Gefangener, dem derGenuß so vieler Reize versagt war, da ich gerade hinreichendsie sehen durste, um den harten versagenden Zwang auf dasbitterste mich fühlen zu lassen.
Wir durchschnitten, wieder auf das linke Ufer des Guadal-