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abzuschneiden und übernahm, zu spat gekommen, mit Lebhaftig-keit die Verfolgung. Unbewegt hörten die Truppen die Schreckens-kunde. Umsonst suchte Negri den Marsch zu beschleunigen, einenhohen Paß zu erreichen, der leicht vertheidigt ferneren Rückzugsichert:. Die Soldaten schlichen, schon für Alles gleichgültig,den Weg hinan, sie hatten mehrere Nächte hindurch kerne Ruhe,seit acht und vierzig Stunden keinen Bissen Brod gehabt, derRegen machte jede Bewegung doppelt lästig. Bald waren dieTrupsen Espartero's, die frisch und kraftvoll Burgos verlassen,im Argesichte des Nachtrabes, sie hatten den Weg mit Sterben-den und in Schwäche Hingesunkenen bedeckt gefunden.
Da wollte Negri, der so lange ängstlich den Kampf vermie-den hctte, doch rühmlich untergehen; er ordnete seine Divisionenin Bataillons-Colonncn zur Schlachtordnung, und die bravenCastilianer fühlten sich neu belebt, da sie endlich stehen undfechten sollten. Rasch dringt Espartero an der Spitze seinerCavallerie - Massen heran, er stutzt, da er auf der kleinen Ebene,das Gebirge im Rücken, die acht dichten Hausen bewegungslos,drohend dastehen sieht, während die beiden Escadrone die Flan-ken zu decken scheinen. Doch schnell entscheidet er sich zur Chargeund stürzt auf die ersten Bataillone, die fest den Sturm erwar-ten und, da die Reiter wenige Schritt entfernt, auf der FührerStimme Feuer geben-Die Gewehre sinken aus den er-
schlafften Händen: nicht Ein Schuß war erfolgt, da alles Pul-ver untauglich geworden. In wenigen Minuten war das un-blutige Werk vollbracht. Graf Negri mit den beiden Escadronenund e.nigen berittenen Officieren entfloh unverfolgt und gelangtenach Aragon; die acht Bataillone, die treuen, ergebenen Casti-lianer — sielen wehrlos in des übermüthigen Siegers Hand,der auch die Geschütze und Bagage erbeutete.
So ward jenes herrliche Corps von Castilien vernichtet,welches nach der königlichen Expedition die Hoffnungen der Car-listen von neuem anregen durste; seine beiden Theile sanken