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über uns, wie unten in den Wassern, abgerissen unheilverkünden-des Brausen, und das Fahrzeug ward in kurzen, heftigen Stö-ßen hin und her geworfen. Augenblickliche Stille trat ein, un-heimlich, ängstlich: in der nächsten Minute brüllte und pfiff derSturm durch das Tauwerk, welches längst von seiner Last be-freit war.
Ein Sturm ist so oft geschildert worden, daß es nur lästigeWiederholung des oft Gehörten wäre, wollte ich unsere körper-lichen und geistigen Leiden während der folgenden Tage imDetail geben. Das Schiff flog dahin vor der Wuth der losge-lassenen Winde, bald hoch auf einer Woge emporgehoben undweithin das wilde Treiben der Wasser überschauend, bald wares in den Abgrund versenkt, dessen Schaumwände einem Kerkergleich, dicht uns umschlossen und jeden Augenblick über uns zu-sammenzuschlagen drohten. Nicht mehr bestimmt, so grausenKampf zu bestehen, krachte das alte Schiff in allen seinen Fu-gen, als bräche es unter der Last der Massen, die es bestürm-ten. Wehklagen und Jammer ertönte aus dem Raume, wojede neue Welle die von der Seekrankheit Geplagten über unddurch einander warf, während so viele, welche auf dem Landeoft furchtlos dem Tode getrotzt, nun die Stunde verwünschten,in der sie dem treulosen Elemente sich anvertrauen mußten.
Als wir uns einschifften, hatte ich wohlweislich ein Plätz-chen auf dem Verdecke mir ausgewählt, und so lange das Wet-ter günstig, war mir diese Vorsicht wohl zu Statten gekommen;die frische, zehrende Lust erregte nur meinen Appetit, und diemannigfachen Leidens- und Klagelaute, die besonders von untenherauf schallten, hatten, wie das denn zu geschehen Pflegt, mirreichen Stoff zum Lachen geboten. Jetzt ward aber der Zu-stand der in freier Lust Lagernden mit jedem Augenblicke be-schwerlicher. Schon mußten wir lang ausgestreckt neben einemMastbaume hingekauert mit Händen und Füßen uns anklam-mern, um nicht fortgeschleudert oder von den Wogen, die häufig