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Vier Jahre in Spanien : die Carlisten, ihre Erhebung, ihr Kampf und ihr Untergang. Skizzen und Erinnerungen aus dem Bürgerkriege / von A. von Goeben
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So stand Cabrera im Anfange des Jahres 1836 an derSpitze der Armee von Aragon und Valencia als commandiren-der General dieser beiden Provinzen. Die Christines hattenseit dem Beginn des Kampfes auch dort ihr beliebtes Systemin Anwendung gebracht: sie fühlten sich die Stärkeren, folglichmußte der Aufstand in Blut und Flammen erstickt werden. Esward den Carlisten der Pardon gänzlich verweigert, sie wurdenerschossen, wo immer sie in die Hände ihrer Feinde sielen, dieVerwundeten und Kranken kaltblütig niedergemacht; ihre Güterwurden verwüstet und andern Eigenthümern übergeben, dieWeiber und Kinder auf empörende Art gemißhandelt und dannfortgejagt. In den Gebirgsdörfern hauseten die Truppen ent-setzlich; alle Einwohner, hieß es, sind Carlisten und müssen ver-nichtet werden; so ward denn geplündert, geraubt, geschändetund niedergebrannt. Viele Hunderte zwang das Elend, denCarlisten sich anzuschließen.

Diese, so lange sie schwacher waren, vergalten Gleiches mitGleichem, auch sie machten die besiegten Feinde nieder; aberwie so oft in den baskischen Provinzen, siegte auch hier zu häu-fig Großmuth über strengrächende Gerechtigkeit, und Tausendenvon den in genommenen Forts gefangenen Garnisonen wurdendie Waffen gegeben, mit denen sie gewöhnlich ihren früherenGefährten sich wieder anzuschließen eilten, Dankbarkeit und Treuezugleich mit Füßen tretend.

So wie Cabrera den Oberbefehl übernahm, machte er imVertrauen aus seine täglich zunehmende Stärke dem Feinde Vor-schläge, die zu milderem Kriegssysteme führen konnten. Er ver-langte, in den Vertrag des Lords Elliot, der schon in den Nord-provinzen gültig war, aufgenommen zu werden, und erließ, dadiese Forderung mit Spott zurückgewiesen wurde, ein Rund-schreiben an sämmtliche Gouverneurs und Colonnen-Anführerder Christines, in welchem er erklärte, daß er den Wunsch hege,auf menschliche Art den Krieg zu führen, und daß daher Ge-