Buch 
Vier Jahre in Spanien : die Carlisten, ihre Erhebung, ihr Kampf und ihr Untergang. Skizzen und Erinnerungen aus dem Bürgerkriege / von A. von Goeben
Entstehung
Seite
428
JPEG-Download
 

428

XXVI

Nach langer, leidenvollcr Gefangenschaft war ich wiederfrei. Bewunderung füllte mich für den jugendlichen Feldherrn,der aus dem Nichts seine zahlreichen Schaaren geschaffen, diewilden Guerrillas in disciplim'rte Bataillone umgewandelt undmit seiner Schöpfung die Armeen geschlagen hatte, welche seitsechs Jahren in der Erdrückung der verachteten und immer herr-licher erblühenden Carlisten beschäftigt waren. Nun stand ergefürchtet ihnen gegenüber, den oft Besiegten rasche Vernichtungdrohend. Ich glühte von Kampfbegierde und Sehnsucht, unterdem Helden zu streiten, auf den die Blicke aller Loyalen mitder Hoffnung des endlichen Triumphes gerichtet waren, währenddie Christinos mit Zagen den Tod verkündenden Namen hörten.

Und dennoch, wie ich vorher schon sagte, fühlte ich Grauen,da ich der Thaten jenes Mannes gedachte: sein Bild schwebtevor mir als das des blutdürstigen Ungeheuers, wie er ja im-mer der Welt dargestellt wurde, der schmählich den Glanz seinerSiege durch Grausamkeit und des Abscheues würdige Schand-thaten trübte.

Kaum in Sän Mateo, einem der lieblichsten Städte unseresGebietes, angekommen, eilte ich Urlaub zu erbitten, um denGeneral aufsuchen und meinen Wunsch nach sofort thätigemWirken ihm vorlegen zu können; ich konnte mich unmöglich ent-schließen, Wochen lang träger, erschlaffender Muße mich hinzu-geben, wie sehr auch die Gefährten solches Glückes nach demlangen Dulden sich zu erfreuen schienen. Der Chef des Depots

sah mich erstaunt an und-schlug den erbetenen Urlaub

mir rund ab. Er erklärte, daß wir, da der General die ausge-wechselten Officiere zur Erholung hieher bestimmt habe, diehöchste Undankbarkeit zeigen würden, wenn Jemand von uns,