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Kriechpflanzen ernähren, von der Hand des erstarrenden Todesgetroffen scheinen. Da stört der Schritt des Reisenden keinlebendes Wesen auf, und kein Vogel belebt durch muntern Ge-sang das unheimliche Schweigen der Natur; nur grün glänzendeEidechsen gleiten lautlos durch das Gerölle, und der heisereSchrei des auf den unzugänglichen Felsen horstenden Adlersdringt hoch aus der Luft drohend zum Ohre des Menschen, dermit verdoppelter Hast den lieblicheren Thalern zueilt.
Und dann die Wege!*) Wie ist es möglich, daß ein Menschohne Herzklopfen diese — was hier Wege genannt wird — be-tritt; wie kann er gar, dem allgemeinen Gebrauche gemäß, ru-hig auf seinem Maulthiere sitzend über diesen Abgründen aufdem mit losen Steinen besäetcn und abschüssigen Pfade hin-ziehen! Her nicht an solche Art des Reifens Gewöhnte glaubtjeden Augenblick die unvermeidliche Katastrophe da; ein Fehltrittdes Thieres muß in die gähnende Tiefe ihn hinabstürzen, jedesunter dem Fuße desselben hinabrollcnde Steinchen scheint ihnmit sich zum Verderben Hinunterreißen zu müssen.
Lange Pflegte ich, so oft solch eine halsbrechende Stellekam, seufzend abzusteigen, den eigenen Füßen mehr trauend alsfremden, bis ich endlich, da ich regelmäßig mit Lebensgefahreinige Mal stürzte, während die Reiter sicher und ungefährdetunten anlangten, von dem Thörichten meiner Befürchtungenmich überzeugte. Da vertraute ich denn auch auf den Theilendes Weges, die allenthalben sonst als ganz ungangbar würdenbetrachtet sein, der Gewandtheit des Maulthieres beim Hinab-steigen mich an. — Das Hinaufklettern bietet im Vergleiche garkeine Gefahr dar. — Aber welche Vorsicht und welche Sicher-
es Die Bewohner des Landes bezeichnen diese Wege mit dem nichtunpassenden Ausdruck der caminos reale« cle perckices — Reb-hühner - Chausseen. —