Buch 
Vier Jahre in Spanien : die Carlisten, ihre Erhebung, ihr Kampf und ihr Untergang. Skizzen und Erinnerungen aus dem Bürgerkriege / von A. von Goeben
Entstehung
Seite
444
JPEG-Download
 

411

XXVII

Mehrere Wochen waren seit meiner Ankunft im Turia aufdie angenehmste Weise verflossen. Das Gefühl, wieder unterden Meinen, wieder frei zu sein, würde ja das elendeste Ge-birgsdörfchen zum lieben Aufenthalte mir gemacht haben; wiehätte ich da nicht überglücklich in dem reizenden Chelva seinsollen, wo eine ausgewählte, wahrhaft gebildete Gesellschaft sichvereinigte, da nicht nur die Familien vieler höheren Officiereund Beamten, sondern auch noch weit mehr aus den nahen,dem Feinde unterworfenen Provinzen vertriebene oder freiwilligausgewanderte Carlisten dort sich niedergelassen hatten. Dazukamen die eben so belehrenden wie heiteren Stunden, welche ichin Arevalo's Gesellschaft, so oft er in Chelva war, zubrachte,die Tertulias in seinem Hause und die Spatzierritte, zu denener täglich in der Kühle des Nachmittags mich einlud, da er seitdem glücklichen Gefechte von Chulilla durch ganz besonderesWohlwollen mich ehrte. -

So begleitete ich ihn auch zu einer militairischen Prome-nade mit zwei Bataillonen und zwei Escadronen südlich vomGuadalaviar aus Chiva unglücklichen Andenkens, da die Expe-dition des Königs dort von Ora'a geschlagen wurde und danngen Westen über Bunol nach Castilicn, wo wir einen Tag indem schönen Handelsstädtchen Utiel rasteten, um von da überTuejar nach Chelva zurückzukehren. Wir hatten nirgends denFeind gesehen, schleppten aber einen nicht unbedeutenden Convoyvon Lebensmitteln und vierzehn Maulthierladungen von Luchund Schuhen mit uns, die, für O'Donnell's Armee bestimmt,aus der großen Heerstraße von Madrid nach Valencia von unsaufgefangen waren.