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XXXII
In trübe Gedanken versenkt zog ich am 30. Oktober ausden Thoren von Berga, welches ich wenige Tage vorher mitso' freudigen Hoffnungen betreten hatte. Das erste dumpfe Ge-rücht von des Grafen Ermordung war am Morgen bis zu mirgedrungen, zu voreilig wohl, denn kaum konnte die Nachrichtdes auf dem Ufer des nicht nahen Segre Geschehenen so raschHerdringen. — Der Graf ermordet! Kaltes Grausen überliefmich, und eine innere Gewalt trieb mich vorwärts, weit, weitdie Mauern hinter mir zu lassen, in denen die blutbedecktenMörder hauseten.
Allein, denn meinem Burschen wär die Erlaubniß, mich zubegleiten, vom General Scgarra versagt worden, folgte ich aufmeinem Maulthiere der Straße nach der festen Hermite vonPinos, von einem stummen Knaben als Führer geleitet. Sowie ich das Fort verließ, begann schon die Gefahr, die jetzt, daich ganz allein und unbewaffnet reifete, noch weit drohender, alsbei dem Marsche vom Ebro herauf war; doch am Nachmittagewurde ich durch eine Gesellschaft überrascht, die ich freilich nichterwartet hatte und unter jenen Umständen nicht eben wünschens-werth nennen konnte. Zwei junge Frauen holten mich ein undflehten, sie unter meinen Schutz zu nehmen. Die jüngere, kaumneunzehn Jahr alt, hatte fünf Tage nach der Hochzeit mit demBruder ihrer Gefährtinn den Gatten sich entrissen gesehen, daer, um wenige Stunden zu spät in das schützende Band derEhe getreten, nach dem durch de Espana eingeführten Con-scriptions-Gesetze für eines unserer catalonischen Bataillone aus-gehoben war. Die zweite, vielleicht sechs und zwanzig Jahralt, war seit dem Beginn des carlistischen Aufstandes von ihremManne getrennt, der, ein echter, freiwilliger Royalist in den