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Äußere hatte, wie man in Deutschland vergeblich bei einerBäuerin es suchen würde, die unendliche Gewandheit und Aus-dauer der Gebirgsbewohner entwickelten, mein lebhaftes Staunenerregend. Sie hüpften leicht wie die Gemsen auf den oft Grau-sen weckenden Pfaden hin und eilten jetzt im Fluge in dietiefen Abgründe hinunter, um dann wieder unermüdet den oftsich windenden und immer noch entsetzlich steilen Felsenweg hin-aufzukommen.
Die Wege waren wirklich furchtbar, überall mit Absichtüber die schroffsten und unzugänglichsten Theile des Gebirgesgeführt, oft fast unkennbar und durch loses Gestein plötzlichenSturz in die gähnende Tiefe drohend; zugleich durchschnittensie quer alle die schmalen Thäler, so daß ein ununterbrochenerWechsel von halb bis unständigem jähen Aufsteigen und eben folangem, vielleicht noch gefährlicherem Hinabklettern Statt fand.Auch versicherten die Einwohner der Dörfer, welche wir in je-dem Lhale fanden, daß, ehe die carlistischen Truppen dieseVerbindungswege öffneten, Niemand für möglich gehalten habe,dort zu passiven, so daß die Communication auf Stunden wei-ten Umwegen um den Fuß der Gebirge bewerkstelligt wurde.Unsere Freiwilligen pflegten stets die kürzeste Linie für ihreMärsche zu wählen, ohne die Eigenschaften des Terrains vielzu Rathe zu ziehen.
Als ich am Abend in einem niedlichen Dorfe Halt machte,waren wir bereits über sieben Leguas von der Chaussee entfernt;ich warf mich daher zu freilich nicht sehr ruhigem Schlafe auf eineMatratze neben dem Heerde nieder, nachdem ich den Alcaldenmit seinem Kopfe dafür verantwortlich .gemacht hatte, daß aufjeder dem Orte zuführenden Straße ein sicherer Mann zur Be-obachtung aufgestellt werde.
Gegen vier Uhr Morgens weckte mich mein braver Alcalde,bestürzt mir meldend, daß ich nicht frühstücken könne; aufweineverdrießliche Frage: »und warum nicht, earajo?« antwortete er