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fele sehr, daß irgend Jemand in der ganzen Armee mit ihr sichzu befassen gewagt hätte.
Die herbei gerufenen Ärzte erklärten alsbald den Generalin größter Gefahr, wiewohl sie über die Art der Krankheitschwiegen. Hie und da ward wohl von Typhus gesprochen,von dem aber weder vorher noch später irgend ein Fall sichzeigte, so daß die Idee, daß er gerade allein den General er-griffen habe, ganz ungereimt und der Natur dieser Seuche direktwidersprechend ist. — Die rasch angewandten Mittel lindertenfür den Augenblick die Leiden Cabrera's; bald ergriff ihn jedocheine Starrheit, eine Schwache des Geistes wie des Körpers, dieseiner früheren Kraft und Energie so sehr entgegengesetzt war,und von der er nie ganz genesen sollte.
Da der Kranke nicht transportirt werden durfte und ihmhöchste Ruhe verordnet ward, eilte ich am folgenden Tage nachMorella, dort die mir obliegenden Geschäfte zu übernehmen.Die Stadt schien von zerschmetterndem Unglück befallen. Aufden Straßen standen kleine Gruppen mit niedergeschlagenenMienen und alle über den einzigen Gegenstand redend, überdas Schreckliche, was jeden Augenblick erwartet werden mußte;muffige Haufen sammelten sich an dem Thore, begierig auf denWeg hinausschauend, ob Jemand Kunde bringe von dort, wo-hin Aller Gedanken sich richteten.
R amon ?« war die erste Frage eines Jeden, und die immerdüsterer tönenden Nachrichten lockte eine Thräne in mancheskräftigen Mannes Auge.
Die Schwestern Cabrera's eilten nach Hcrves, den Bruderzu Pflegen, der, täglich schwächer und schon besinnungslos, täg-lich weniger Hoffnung auf Besserung gewährte. Da brachtedas neue Jahr die Trauerbotschaft von seinem .Tode! — Ver-zweiflung ergriff die Bewohner Morella's, wie die Krieger,welche so oft seine Lorbeeren getheilt hatten. »Wir sind verlo-ren,« riefen die Jammernden, »er allein hielt uns aufrecht, ohne