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l. Periode. I. Theil.
behauptete sich aber dennoch dieser wunderbare Staattheils durch eigne Macht, theils durch einzelne glücklicheVerhältnisse, theils aber, und vorzüglich, durch die baldallgemein werdende Ueberzeugung, daß an seine Erhal-tung und Freyheit die des ganzen Ctaatcusystems vonEuropa geknüpft sey.
Die Päbste erschienen in der doppelte» Gestalt, alsBeherrscher des Kirchenstaats (s. unten), und als Ober-häupter der Christenheit. Das Interesse des Einen warnicht immer dasselbe mit dem Interesse des Andern. Wiewohlthätig hätte ihre väterliche Autoritär für Eu-ropa werden können, hätten ihre Leidenschaften nicht sooft den Nimbus des Ehrwürdigen zerstört! Doch bliebihre Politik ein seltenes Beyspiel der Festigkeit undGewandbcit. Voll hoher Ansprüche, und doch ohneWaffen; nur gestützt auf die öffentliche Meinung, undLoch mit der. öffentlichen Meinung in stetem und stelSwachsenden, Kampfe; behauptete sich diese Macht, ohneetwas auszugeben, auch wenn sie es verlor — durch Cou-sequenz; wohl wissend, daß mau ihrer am Ende — dochwicht entbehren könne.
Die Pforte, damals wesentlich erobernde Macht, er-reichte den Gipfel ihrer Größe unter Soliman II. sizao—1566). Furchtbar durch ihr regelmäßiges Fußvolk,hie Janitscharen, drobete sie es nicht weniger durch ihreSeemacht zu werden, die mir der Herrschaft des Mit-telmeers zugleich die der Küstenländer ihr hätte sicher»können. Dem chriplicken Europa ftindlich gegenüber ste-hend, war sie diesem fremd; und nach dem Wunsche derPäbste sollte lange die Türkengefahr die Vereini-gung der Christenheit bewirken; «her ihre bald mitFrankreich angeknüpfte Verbindung vereitelte diese Hoff-nung; und machte sie s» einem — wenn gleich immerfremdartigen — Gliede des Europäischen Staatenspstems.