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Schulreden gehalten am Friedrichs-Gymnasium zu Herford : nebst einer Abhandlung über die Rolle des Kreon in Sophokles' Antigone / von Dr. Friedrich Gotthold Schöne
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keit zu gründen ist, als in der Sphäre der Schule, welche durchdie auferlegte Vorschrift eine geregelte Ordnung und eine festeSitte einführt, und diese durch unermüdliche Ermunterung undWarnung, durch Rath und Beispiel wachsam aufrecht erhält H.Nur ein flüchtiger und sorgloser Sinn geht gleichgiltig überden Grenzpunkt hinweg, wo dieser äußerlich geregelte Gangaufhört und die Nothwendigkeit eintritt, den immer niederge-legten Schatz leitender Grundsätze, Lehren und Ansichten zurErgreifung einer eigen geregelten Bahn anzuwenden. FürKeinen aber ist der Grenzpunkt entscheidender, als für denJüngling, der sich den Wissenschaften widmet. Denn er trittauf die Stufe, wo er eines Theils die Saat der empfangenenBildung durch Erfüllung der Hoffnungen, welche Eltern, Leh-rer und Freundein seine Tüchtigkeit und Reife setzen, Früchtetragen lassen, andern Theils das veränderte Ziel einer neuen,unmittelbar auf die praktische Lebensstellung HingerichtetenBildung vor Augen haben soll, also eben so sehr seine Ver-gangenheit zu bewähren, als seine Zukunft zu begründen hat.Er tritt aber in eine Welt ein, in der durch die Vereinigungder mannichfaltigsten, nicht mehr sich geleitet fühlenden Kräfte,Stoffe und Bestrebungen das Wogen und Treiben eines weitbewegtem und läutern Lebens herrscht, als in dem stillenjKreise,welcher ihn bisher umfing: in eine Welt daher, deren rau-schendes Gewühl ihn mit Gefahren aller Art drohend umringt,und mit verführerischen Lockungen unablässig angreift. Ertritt in diese Welt, in einem Alter, welches der inwohnendenKraft sich eben bewußt geworden, in dem lebhaften Gefühlederselben einen um so mächtigern Reiz empfindet, sie zu ge-brauchen und ihre Stärke zu messen, ohne in der Stimme derErfahrung eine Mässigerin zu finden, ohne aus der Quelleeiner reichen und geübten Welt- und Menschcnkenntniß Vor-sicht und Weisheit zu schöpfen: in dem Alter des feurigstenDranges, der lebhaftesten Eindrücke, des kühnsten Aufschwun-ges, in dem Alter also, in welchem der Punkt am Schwerstenerkannt wird, wo die beiden Straßen der Tugend und des La-sters auseinandergehn ^).

In allem Diesen liegen sicherlich die wichtigsten Gründe,um an dem Kreuzpunkte, der hierdurch die äußern Umständeso deutlich abgezeichnet ist, den Jüngling feierlichst zu einemaugenblicklichen Stillstehn vor den Schranken es sind dieletzten seines Jugendlebens aufzufordern und noch einmal