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Schulreden gehalten am Friedrichs-Gymnasium zu Herford : nebst einer Abhandlung über die Rolle des Kreon in Sophokles' Antigone / von Dr. Friedrich Gotthold Schöne
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91
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Werk erzeugendes Princip darthut? Und Wem bringt Ihrdies Dankvpfer dar? Bringt Ihr es nicht der Liebe dar, diebis hieher um Euch waltete und fernerhin mit ängstlichen Hoff-nungen auf Euch schaut, der Liebe Derer, die Euch die Theuer-sten sind? Und endlich Wen ehrt Ihr, Wem nützt Ihr da-durch am Meisten? Wahrlich, Alles was in diesem Sinnevon Euch geschieht, thut Ihr zuletzt nur zu eigenem Heilund Frommen: Dies bedenket wohl!

Die Anstalt, die vorzugsweise Gymnasium genanntwird, verlaßt Ihr heute ^); aber Was Ihr vor Euch liegenseht, ist auch ein Gymnasium, nur die fortgesetzte underweiterte Uebungsstätte Eurer Kräfte und Fähigkeiten;und dann tretet Ihr in das große, an Aufforderungen und Ge-legenheiten zum Ueben und Anwenden der Kräfte noch weitreichere Gymnasium des Lebens, ich meine des Lebens, inwelchem Ihr nicht mehr bloß für Euch selbst, sondern auch fürAndere, für das gemeinsame Vaterland, für die gesammteMenschheit thäthig zu sein habt. Alle drei Uebungsstättenhängen auf das Genaueste mit einander zusammen: eine bestehtdurch die andere, das Verdienst und der Lohn der folgendenwird Euch entrissen, wenn Jkr der Vorschrift der vorhergehen-den untreu werdet; denn ein und dieselbe Seele ist es, die wieim Menschen selbst, alle tragen und bewegen muß. So laßtdenn auch diese eine Seele beharrlich durch alle hindurchgehet:weihet die eine immer durch die andere!

Wohlan denn! Das Ziel Eurer ersten Uebungsstätte isterreicht, die Schranken der zweiten sind geöffnet: zeigt in dieserdie Früchte der Uebungen, durch welche jene Eure Kraft starkzu machen bemüht war!

Anmerkungen.

1) Vgl. Fr. Jacobs' Leben und Kunst der Alten, Bd. I.Abth. 1. Vorr. p. V., wo auch die Sitte Weihetafeln aufzu-hängen berührt wird.

2) Jeder Kenner des Alterthums weiß, daß der Griechejedem Gegenstände, der ihn umgab, jeder Unternehmung, dieer zu machen im Begriff war oder eben vollendet hatte, jedem