7
ii
Farbenstrahlen wurde es erst klar, daß die chromatische Abweichungden weit größeren Nachtheil bewirken müsse. In der That müssendie stärker brechbaren violetten Strahlen näher hinter dem Glase alsdie minder brechbaren rothen Strahlell vereinigt werden, und fürdie unzählbar vielen zwischen violett und roth gelegenen Farbenstrahlengibt es eben so viele verschiedene Brennpunkte. An welchem Punktedieser verschiedenen Vereinigungsörter man das Bild auffangen mag,immer wird es von Farbensäumen benachbarter Strahlen umgebenerscheinen, und also jeder scharfen Begrenzung entbehren.
Es war hiermit nur der Fehler aufgedeckt, mit welchem dieersten und einfachsten Fernröhrcn behaftet sind, und durch den sie fürstärkere Vergrößerungen geradezu unbrauchbar werden. Die Beant-wortung der Frage ob die chromatische Abweichung sich beseitigenlasse, hängt von dem Gesetz der Farbenzerstrenung ab. Ist es, wieNewton annahm, der Fall daß alle brechenden Medien eine, derBrechung proportionale, Wirkung auf gleichartige Strahlen aus-üben, so gibt eine Combination von Prismen, so verbunden daß sienach entgegengesetzten Richtungen das Licht brechen, nur in dem einenFalle keine Farbenzerstrenung, wenn der einfallende und der aus-tretende Strahl parallel sind, weil nur in diesem Falle die Farben-zerstreuung des einen Prismas die des andern aufhebt. Es ist alsodann keine Ablenkung des Lichtes ohne Farbenzerstrenung möglich,und da die Wirkung der Objectivgläser durch die Ablenkung desLichtes bedingt ist, so gibt es keine Objectivgläser ohne Farben-zerstreuung. Dies war auch der L>chluß von Newton. Aber dieVoraussetzung war irrig. Die Farbenzerstrenung ist so verschieden,wie die Medien verschieden sind, die sie bewirken, und hat keine ein-fache Beziehung zur Brechung. Zwei durchsichtige Medien können,bei geringer Verschiedenheit der Brechbarkeit der mittleren Strahlen,einen großen Unterschied der Brechbarkeit der violetten und der rothenStrahlen besitzen. Newton hatte indeß nicht versäumt zum Versuche