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Encyklopädie der Forstwissenschaft / von G.W. von Wedekind
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Die Forstwissenschaft.

Der Forstwirth kann sich zwar auf deren individuelle (stammweise) Heilung ge-wöhnlich nicht einlassen, muß aber desto mehr Aufmerksamkeit deren bestands-weisen Beseitigung und Verhinderung widmen.

§. 7. Verhalten der Holzarten gegen äußere Einwirkungen und imbestands weisen Zusammen sein.

1) Die große Zärtlichkeit (Reizbarkeit und Empfindlichkeit) der Pflanzenin ihrer Kindheit gegen Licht, Wärme, Hitze, Frost, Dürre, Meteorerc. ver-dient, außer dem im Allgemeinen durch die §§. 1 bis 3 bereits Angegebenen,hier noch hervorgehoben zu werden. Am meisten äußert sich jene Zärtlichkeitbei Buche und Weißtanne, nächstdem in folgender Ordnung: Ulme, Ahorn,Esche, Eiche, Hainbuche, Fichte, Erle, Lärche, Kiefer, Birke; sie äußert sich nachVerschiedenheit des Standorts verschieden und in höherem Maaße bei grellenUebergängen und Verzärtelung durch übermäßige Beschattung von Oberständcrn(Mutterbäumeu rc)/ Letztere ist in den ersten Kindcrjahren in gewissem Maaßemeistens nöthig bei d'cn beiden erstgenannten Holzarten, nützlich nach Umständenin der angegebenen Rangfolge bei den anderen Holzarten.

2) Die Geselligkeit der Holzarten spricht sich in der Verträglichkeit desBeisammenseins und in dem gegenseitigen Schutz gegen die unter (i) angedeu-teten Einwirkungen aus. Die Beschattung, welche sie imgeschlossenen" Be-stände sich gewähren, fördert zugleich ihren Höhenwuchs, während einzelneroderlichter" Stand eine Ausbreitung in Aeste und Kronen veranlaßt. Dieräumliche Ausdehnung der einzelnen Pflanzen (m. s. Nr. 2 des §. 6) machteine hiermit verhältnißmäßige Verminderung ihrer Zahl nöthig; die Natur, sichselbst überlassen, führt diese Verminderung mittelst Unterdrückung der schwächerendurch die stärkeren, Ausscheidung der ersteren, und den bei Charakteristik einesBestands wichtigen Unterschied zwischenprädominirenden" (vorherrschenden) undunterdrückten" Stämmen zwar herbei, aber zu langsam und nur nach einem,den Zuwachs im Ganzen hemmenden und beeinträchtigenden Kampfe, welchemder Forstwirth mittelst Durchsorstnng" in der Regel zuvorkommt. Nach demWachsthumsgang (sowohl des allgemeinen des ganzen Individuums, als desbesondern seiner Beastung und Bewurzelung) und nach dem der Holzart eigenenLichtbedürfnisse ist hierin verschiedenes Verhältniß der Fortschreitung wahrzu-nehmen; dieß Verhältniß gibt sich übcrdieß bei einigen Holzarten (namentlichBirke, Kiefer, Eiche) in der bei höherem Alter hervortretenden Neigung zurLichtstellung" zu erkennen. Da der Wald Zweck und Gegenstand der Forst-wirthschaft ist, so muß der Forstmann sein Augenmerk hauptsächlich aus dasVerhalten der Holzarten im bestandsw eisen Vorkommen richten, welches,wie wir im Vorhergehenden gesehen haben, von dem im bloß stammweisen,vereinzelten Vorkommen wesentlich verschieden ist. Aber auch innerhalb desBestands ergibt die Betrachtung des Lebens und Wcbcns und der Verhältnissedes Wachsthums verschiedene Ergebnisse, je nachdem wir nur den Stamm fürsich oder den Bestand in seiner Gesammtheit ins Auge fassen.

3)Vollkommen" ist der Bestand, wenn er in der seinem Alter und Stand-orte entsprechenden Entwicklung und Vollständigkeit vorhanden ist, also auch denBoden vollständig und gleichförmig bedeckt.Regelmäßig" nennt man ihn inBezug auf seine den Regeln der Betriebsart entsprechende Stellung und Beschaf-fenheit. Musterhaft odernormal" ist der Bestand, welcher Vollkommenheitund Regelmäßigkeit vereinigt; Manche nennen diesen denidealen" und beziehendie Normalität oder Musterhaftigkeit auf den unter den gewöhnlichen Verhält-nissen der Praxis erreichbaren Grad von Regelmäßigkeit und Vollkommenheit.