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Des Ritters Fort. Sprecher v. Bernegg J.U.D. Geschichte der Kriege und Unruhen, von welchen die drei Bünde in Hohenrätien während der letzten Jahre heimgesucht wurden / [Fortunat von Sprecher von Bernegg] ; nach dem Lateinischen bearbeitet, durch Anmerkungen erläutert und unter den Auspizien der bündnerischen geschichtforschenden Gesellschaft herausgegeben von Conradin v. Mohr
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95
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Weitere Urtheile des Tusner" Strafgerichts. 95

Das gleiche Schicksal traf Christoph Gest, in jüngster Zeit Hanpt- I6l8.mann im Veltlin. Krankheitshalber konnte man ihn nicht foltern,schenkte ihm anch auf Bitten seiner Frau und Kinder das Leben, er-klärte ihn aber aller Ehren für verlustig und verurtheilte ihn zu einerBüste von viertausend Goldgulden.

Dann erschien Francisco Paravicini von Ardeun im Veltlin, umdie Sache seines mehrfach angeschuldigten Sohnes Anton Maria zuvertrete». Da aber im peinlichen Processe Anwälte nicht zuläßig sind,so hiest man ihn sich entfernen. Ali er dennoch blieb, wurde gegenihn ei» Zeuge vernommen, welcher aussagte, dieser Francisco sei zurZeit wo Zürich und Bern in Gemästheii des Bündnisses Hnlfsvolkvon den Bünden verlangte, zu Landrichter Joachim v. Montalta (beiwelchem der Zeuge damals sich zufällig befand) gekommen und hätte ihmgesagt, wenn die Bündner nicht gern Truppen gäben und nur um einenGrund, sie zu verweigern, verlegen seien, so wolle er in Gemeinschaftmit dem Statthalter von Como es einrichten, daß derselbe einige be-waffnete Schiffe auf dem Comersee ausrüste und dann fehle es LeuLündnern nicht au einem Vorwande zu Hause zu bleiben. Unter denPapieren des Rudolf Planta fanden sich auch einige sehr verdächtigeBriefe Francisco's. Man hielt ihn auch für Mitwisser an dem schreck-lichen Morde des Podesta Peter Planta. Obschon er nun ein siebenzig-jähriger Man» war und übertuest noch an einem Bruche litt, wurdegegen ihn wegen fortwährenden Läugneus dennoch der erste Grad derTortur angewandt, indem man ihm Daumenschrauben anlegte. Aberauch jezt noch bestätigte er keineswegs die Aussagen der Zeugen, in-dem er sein schlechtes Gedächtniß vorschüzte. Ebenso wenigen Erfolgbrachte es, seine Füße über das Feuer zu halten, denn stets blieb erdabei, seines Wissens zum Schaden der Bünde nichts unternommenzu haben. Zulezt wurde er um fünfzehnhundert Goldgulden gebüßt.

Den Joh. Bapt. Schenardi von Soudrio, der auf Requisition derbündnerischen Räthe von der venetiauischen Behörde zu Corteuo inNal Camonica aufgegriffen und auf bündnerifches Gebiet geliefertworden war, brachte mau ebenfalls nach Tusis und folterte ihn dort.

Die Hauptanschuldigung gegen ihn war, daß er bei der Abführungdes Erzpriesters zu Soudrio bewaffnet auf dem Marktplaz erschienenund aufrührerische Worte ausgestoßen hätte. Ebenfalls wegen auf-rührerischen Aeußerungen wurde auch Nicolans Carbonera nach Tusisgebracht und dort peinlich befragt. Nachher wurden Beide mit einerleisten Geldbuße entlassen.