354
Maienseld streng umschlossen.
1622. andern Warten aus bemerkten, machten sie einen Ausfall und kämpftenn. Mai von früh Morgens um 6 Uhr bis I Uhr Nachmittags, wurden aberdennoch von den Bündnern geschlagen, wobei sie fünfzehn (sie behaup-teten freilich nur fünf) Mann an Todten und zwei Gefangene ver-loren. Von den Prättigancru wurden Nicolaus Gasuer und JacobThamm bei der Mühle erschlagen. Bald darauf machten die Ocster-rcicher mit fliegendem Banner und beinah sämmtlichen Truppen einenneuen Ausfall, hieben unterbalb der Stadt hundertfünfzig Frucht-bäume nieder, mittelst welcher sie unter Ziehung eines andern Gra-bens einen Arm des Rheins zur Mühle zu leiten versuchten. Dieseshätte auch in der That recht gut geschehen können, wenn der Wegzur Mühle nicht offen und schnzlos, wie er war, sie den fortwährendenGewchrsalven der Bündncr blosgestellt hätte. Diese verhindertenalle Arbeit. Zulezt verfielen sie auf eine List, und die österreichischenSoldaten zogen männliche und weibliche Kleidungsstücke von Maien-feldcr Bürgern an, um in dieser Verkleidung von den Bündnern ge-schont zu werden. Diesen Zweck erreichten sie auch vollkommen, dennals sie in bündnerischer Kleidung mit Spaten und Hacke aus derStadt zogen, glaubten die Unsrigen, es seien Maicnkeldcr Bürger,welche zur Arbeit gezwungen würden. Immerhin aber gelang dieWasserleitung selbst nicht, Als das Mehl und mit ihm das Brod inder Stadt seltener wurden, schleppte» sie einen Mühlstein in's Schloßund suchten durch denselben, mittelst Beihülfe zweier hoher Räder,welche sie mit den Füßen rings im Kreise herumtrieben, das Getreidezu mahlen. Aber auch auf diese Weise vermochten sie nicht mehr alssünfQuartanen täglich zu verarbeiten, was kaum für hundert Mann zuBrod hinreichte. Dann begann der gemeine Soldat den Weizen, derihm sehr sparsam gereicht wurde, jeder für sich, unter Steine zu zer-malmen. Andere kochten ihn. Der Hunger lastete schwer auf derBesazung und Bürgerschaft.
Hanptmann Flori Buol aus dem Schanfigg, war ebenfalls ausder Eidgenossenschaft heimgekehrt. Da die Schanfigger Baldiron unddie Spanier sehr fürchteten, hatten sie sich an einer Stelle, welche denNamen Saß^ führt und unterhalb Maladers (lezteres liegt eine
ss Das Wasser konnte nicht so hoch geschwellt werden. Anhörn IV. 60.
sr In allen Urkunden Sassal genannt. So wird z. B. die Aus-dehnung des Schanfigg daselbst mit den Worten „von Sassal vntz uffStrial" (Strela) angegeben.