356
Verwüstung des Schanfiggs.
1622. lange und inständig gebeten hatten, d:e Soldaten von der Brandstätte
11. Maizurückzurufen, zog er endlich seinen Siegelring ab, damit die Truppe»
ihn als Wahrzeichen seines Willens ansähen. Doch war dieses zweifels-ohne ein leeres Gaukelspiel, denn er hatte bei den heiligen Sacra-menten geschworen, daß das Dorf St. Peter, wo seiner Zeit CasparCalvo getodet worden war, in Asche gelegt werden müßte. AusAbschriften von Briefen, welche Cawill v. Mont an den Herzog vonFeria geschrieben hatte (ich fand dieselben später zu Cur in der Her-berge desselben), ging klar genug hervor, daß die Führer den Befehlhatten, Alles zu verbrennen. Unter Anderm kamen in einem dieWorte vor: „Im Schanfiggerthale ist Alles eingeäschert worden undkeinem einzigen Menschen wurde Verzeihung zu Theil. D urch diesesSchauspiel sind die Eurer Bürger, welche Anfangs keine fremdenTruppen zulassen wollten, so in Schrecken gesezt worden, Laß sie ent-gegen dem frühern Troz nun eine ganz andere Sprache führen." Erlobte schließlich sehr das kluge Benehmen und die treue Hülfe Martinsv. Camenisch.
12. Mai Am folgenden Tage wurden dann auch die beiden Dörfe r St. Peter
und Peist eingeäschert. Mit schwerer Beute beladen, verließen Nachtsalle Truppen das Thal. Wenn die Einwohner nur ein wenig sich ge-sammelt und die Ankunft der Prättigauer früher stattgehabt hätte,wäre es ein leichtes gewesen, den Feind, welcher, um sich schwerer mitBeute beladen zu können, theilweise die Waffen weggeworfen hatte,gänzlich aufzureiben. Alles aber war in die Berge geflohen und sogardas Dorf Peist im Stiche gelassen worden. Dessenungeachtet wagtensich die Feinde aus Furcht vor den Prättigauern nicht all z,u weit vor.Mancherlei wunderbare Erscheinungen und Vorzeichen hackten diesenösterreichischen und spanischen Einfall zu verkünden geschienen. Sowurden im October 1619 zu Jenatz im Prättigan Fische mit langenSchnurrbärten gefangen, etwas, welches in der Lanquartt noch nie-mals vorgekommen war. Der Prediger Caspar Bonoran.d älter er-klärte sich auch sofort dahin, daß durch dieselben fremdes; Kriegsvolkangedeutet würde. In der Nacht vor dem Weihnachstage 1620 hör-ten Einige im Dorfe Maladers ein vernehmliches Murmelm, wie voneiner in italienischer Sprache sich unterredenden Volksmenge. Zuersthegten die Einwohner den Verdacht, es möchten Bettler ams Campo-
^ Siehe oben S. 339.