Buch 
Des Ritters Fort. Sprecher v. Bernegg J.U.D. Geschichte der Kriege und Unruhen, von welchen die drei Bünde in Hohenrätien während der letzten Jahre heimgesucht wurden / [Fortunat von Sprecher von Bernegg] ; nach dem Lateinischen bearbeitet, durch Anmerkungen erläutert und unter den Auspizien der bündnerischen geschichtforschenden Gesellschaft herausgegeben von Conradin v. Mohr
Entstehung
Seite
386
JPEG-Download
 

386

Streifzug der Bündner i» das Muntafun,

1622. Den Sonntag vorher sandten die in Süs gelagerten Bündnerin. Im, einige Boten zu den Oberengadinern, um den Bundsbrief beschwörenzu lassen. Dieß geschah ohne Zögern, auch stellten Leztere zur Hutihrer Pässe sofort Wachen aus und besserten die zu Pontresina undanderswo aufgeworfenen Schanzen aus.

Inzwischen kam der Oberanführer Rudolf v. Salis Donnerstagsr. Juli den 7. Juli mit den Dragonern und zehn Compagnien in's Prätti-gau. Es waren diejenigen des Andreas v. Salis, von Stephan Thys,Thüring Enderlin, Jacob Täscher, Heinrich v. Hartmannis, JosephWertmüller, Joh. Will). Stapfer, Andreas Steiner, Thomas Schund,Daniel Beldi, Joh. Melchior Martin, Heinrich Tschudi und ConradSchieß. Noch an demselben Abend wurde beschlossen, daß Tagsdrauf, am Freitag, die Schierser über den Furkaberg, die Klostcrscrüber das Schlapinerjoch, der Oberanführer selbst aber mit den zehnCompagnien nud den Castelscrn durch das Thal von St. Antönicnund den Gafiapaß, in das österreichische Muntafunerthal einfallensollten. Von der Ankunft der Bündner wußten seine Bewohner wenigoder nichts; die Schierser trafen welche davon mit dem Vieh zu Pa-ten«, thaten ihnen aber nichts zu Leide. In dem andern Theile desThales liegt Gaschura, dessen Einwohner bei Anblick der Bewaffnetenim Gebirge sofort die Flucht ergriffen. Am Eingänge des Thaleswar ein Wall gezogen, wo einige Oesterreicher und Muntafuner lagen.Nach Abfeuerung ihrer Gewehre, wodurch ei» Bündner am Schien-beine verwundet und das Pferd des Hauptmanns Andreas Steinerunter seinem Reiter getödet wurde, zogen sie sich fliehend auf die Höhenzurück. So gelangten die Bündner zum ersten Dorfe St. Gallenkirch.Bei der dortigen Brücke über die Jll zeigten sich einige bewaffneteBauern und legten Feuer au dieselbe, doch eilten die Bündner nochrechtzeitig herbei, löschten die Flammen und stellten die Brücke wiederin Stand, wobei aber ein Mann ertrank. Die Unsrigen lagerten sichim Dorfe. Als die Einwohner, welche im Wald und Feld sich zer-streut und versteckt hatten, bemerkten, daß die Bündner nirgends Feuerlegten, erschienen zuerst die Weiber, worauf nach und nach auch die-Männer zum Vorschein kamen. Der Oberanführer hatte nämlichstrenge Ordre erlassen, keine Kirchen zu plündern und Keinem amKörper oder an der Ehre Gewalt anzuthun. Wer von den Einwohnernerschien, vermochte auch seinen Hausrath zu retten. Es war zwar desOberbefehlshabers Wille, daß man auch des Beutemachens sich ganz-